Versuche nicht, alles zu kontrollieren – lehn dich zurück und genieße die Feier! – 12 Nov 12

Feiern

Hier in Indien hat wieder einmal die Festtagszeit begonnen. Gestern war Dhanteras, der erste Tag der Diwali Feierlichkeiten. Ein Tag, an dem jeder rausgeht und etwas Neues kauft, also ein Tag, den alle Ladenbesitzer lieben. Morgen ist dann der Diwali Tag und wir werden alle gemeinsam den Ashram mit Lichtern schmücken und den Tag so wirklich zum Festtag der Lichter machen. Im ganzen Land ist es eine herrliche Feier voller Freude. Für manche jedoch bedeuten die Festtagsvorbereitungen nicht nur Freude, sondern zunächst einmal nur jede Menge Stress. Für sie soll der heutige Blogeintrag eine kleine Erinnerung sein, dass sie sich auch einmal zurücklehnen, sich entspannen und genießen.

Es ist kein Wunder, dass die Leute in dieser Zeit in Stress geraten, wenn jeder noch in der letzten Minute etwas einkaufen will und die Straßen und Geschäfte voll sind, wenn die Medien einem Tausende von Idealvorstellungen präsentieren dafür, was man tun sollte, was man haben sollte und wie das Haus aussehen wollte und wenn man glaubst, dass man der einzige ist, der für das Glück aller zuständig ist. Du hast eine bestimmte Vorstellung davon, wie dieses Glück zustande kommt, du hast einen Plan, wie das klappen wird und jetzt willst du die Kontrolle übernehmen, damit es alles nach Plan läuft.

Dem zu Grunde liegt in Wirklichkeit das Gefühl, dass du die Dinge unter Kontrolle haben willst, sonst scheitert alles und keiner ist am Ende glücklich. Du glaubst, dass du derjenige sein musst, der die Lichter aufhängt, sonst sieht es am Ende nicht schön genug aus, so dass alle anderen daran Freude hätten. Du meinst, du müsstest das ganze Essen zubereiten, weil nur du weißt, wie jeder sein Essen am Liebsten mag. Und gleichzeitig bist du auch noch derjenige, der entscheidet, wann wie gefeiert wird, wo die Familienmitglieder alle unterkommen und was sonst noch an logistischen Fragen aufkommt. Du denkst ‚Wenn ich es nicht tue, wer tut es dann? Es wird nicht klappen, es wird chaotisch!‘

Es ist nicht leicht, es selbst zu akzeptieren, dass man so denkt. Das machst du ja auch nicht mit böser Absicht und jeder weiß das! Es schadet dir in keinster Weise, wenn du akzeptierst, dass du zu viel Verantwortung übernimmst und versuchst, die Kontrolle zu übernehmen. Es ist normal und du musst dich nicht verteidigen. Akzeptiere stattdessen einfach, dass du das eigentlich nicht tun musst. Gib das Bedürfnis zu kontrollieren etwas auf und verteile einige Aufgaben an andere. Sie werden es auch gut schaffen, du wirst schon sehen. Wenn sie dich brauchen, werden sie zu dir kommen, um sich Rat zu holen. Und am Ende kann jeder glücklich sein und du sitzt nicht in einer Ecke des festlich dekorierten Zimmers, total erschöpft und immer noch nervös, ob denn wirklich jeder Spaß hat. Dann bist du auch ein Teil der Freude an dem Tag. Nur so, wenn Verantwortung geteilt wird, können solche Vorbereitungen ablaufen, ohne dass eine Person zu sehr in Stress verfällt.

Auf diese Weise ist die ganze Ashram Familie damit beschäftigt, sauber zu machen, vorzubereiten und zu dekorieren. Wir haben alle Freude an der Atmosphäre, werden alle aufgeregt und jeder erledigt seine Aufgabe so gut wie möglich. Die Küche hat bereits Snacks vorbereitet, einige Süßigkeiten sind auch schon gebacken worden und mehr kommen heute noch dazu. Unser Elektriker hängt im Garten Lichter auf und die Kinder zählen die Öllampen, die morgen im Garten und am Weg verteilt werden. Es ist eine Atmosphäre der Vorfreude und wir wissen, dass morgen ein Tag sein wird, für den wir alle zusammen vorbereitet haben und den wir dann auch gemeinsam genießen können.

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