Junge Erwachsene, die ihr Leben aus Liebe zu ihren Eltern nicht leben – 23 Apr 15

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Während ich gestern über Erziehungsfragen geschrieben habe, die sich eher auf Kleinkinder bezogen, möchte ich heute gerne ein Thema ansprechen, das bei älteren Kindern wichtig wird, bei denen, die im Erwachsenenalter ankommen. Es ist ein Problem, das ich bereits mehrere Male gesehen habe und das mir in vielen Beratungen beschrieben wurde: wenn ein Elternteil, insbesondere, wenn es ein alleinerziehender Vater oder eine alleinerziehende Mutter ist, so sehr an der Tochter oder dem Sohn hängt, dass ein Loslassen schwierig ist – und es für das Kind so schwer macht, seinen oder ihren Weg zu finden!

Das hört sich jetzt etwas allgemein an, aber mit einem konkreten und detaillierten Beispiel werdet ihr verstehen, was ich meine.

Eines Tages kam eine 20-jährige Frau zu einer Beratung. Sie meinte, sie wolle gerne meine Meinung hören, da ich die Dinge vielleicht anders sehen würde als die Leute um sie herum. Folgendes war das emotionale Dilemma, in dem sie sich befand:

Sie lebte mit ihrer Mutter zusammen. Als sie neun Jahre alt war, hatten sich ihre Eltern scheiden lassen und nach einigen hässlichen Streitigkeiten hielten weder sie noch ihre Mutter den Kontakt zum Vater. Ihre Mutter zog sie alleine groß und legte ihr ganzes Herz in diese Aufgabe. Sie standen sich sehr nahe und die Mutter war der Mensch, dem die Tochter am meisten vertraute und den sie am meisten liebte.

Vor zwei Jahren hatte diese junge Frau ihr Abitur gemacht und hatte sich für ihr Studium an mehreren Universitäten im Land beworben. Es gab mehrere positive Rückmeldungen, darunter eine von einer Universität in der Nähe und auch von einer Universität, an die sie sehr gerne gehen wollte, die jedoch weiter weg war.

Sie hatte das Verlangen gehabt, an die zweite zu gehen, um von der Bemutterung zuhause wegzukommen und die Welt auf eigene Faust zu erforschen. Um das Abenteuer zu beginnen, als das sie sich das Leben vorstellte und von welchem sie mit Schuldgefühlen dachte, dass sie es noch nicht begonnen hatte – weil sie sich genauso um die Mutter kümmerte, wie diese sich um sie. Sie erklärte schnell, dass sie ihre Mutter mehr liebte als alles andere auf der Welt und andersrum genauso. Sie wollte auf keinen Fall undankbar erscheinen für alles, was ihre Mutter für sie getan hatte, mit ihrer harten Arbeit und viel Liebe. Am Ende jedoch war sie geblieben. Sie hatte sich für die Universität in der Nähe entschieden.

Als sie auf mich traf, war sie immer noch in der gleichen Situation. Und sie hatte begonnen, viele Handlungen ihrer Mutter zu missbilligen, weswegen sie sich auch gleich schuldig fühlte, unfähig, ein Gefühl der Wut zurückzuhalten, als würde die Mutter sie davon abhalten, ihr Leben wirklich zu leben. In dieser Verwirrung war sie zu mir gekommen.

Ich erklärte ihr, dass ihre Wut ihr zeigte, was sie wirklich wollte: ihr eigenes Leben leben. Ich ermutigte sie dazu, genau das zu tun und zwar ohne Schuldgefühle. Wenn sie das nicht machen würde, so sah sie jetzt schon, wozu das führen würde. Zu einem Leben voller Bitterkeit und Reue! Gefühle, die ganz leicht die Liebe verderben könnten, die zwischen ihr und ihrer Mutter herrschten.

Sie hatte Ziele und Träume, also sollte sie besonders in diesem Alter diese auch leben und in das Abenteuer eintauchen! Das bedeutet ja nicht, dass sie ihre Mutter ‚im Stich lassen‘ würde! Sie könnte sich ja immer noch kümmern – eben nur von etwas weiter weg! Und nach einiger Zeit wäre sie unabhängig und im Leben angekommen, mit mehr Wurzeln als jetzt und dann könnten sie auch wieder eine gemeinsame Zukunft finden! Es könnte zu der Situation kommen, in der sie sich dann wieder näher um die Mutter würde kümmern können.

In meinen Augen war das der Weg, der ihre Liebe retten konnte, während die Tochter ihr Leben leben konnte – und ich bin mir sicher, dass das auch ihre Mutter verstand!

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