Gestern habe ich beschrieben, wie wir praktisch zusehen, wie unser Baby ihre natürlichen Emotionen entwickelt. Vor einiger Zeit gab es hier im Ashram einen weiteren kleinen Vorfall zu diesem Thema und ich dachte, ich erzähle euch davon.
Eine der Lehrerinnen unserer Schule bringt üblicherweise ihr eineinhalbjähriges Mädchen mit zur Schule. Sie heißt Pari. Sie kann noch nicht einmal richtig sprechen und kommuniziert mit Geräuschen und deuten, aber sie versteht jedes Wort, das wir sagen. Sie verbringt ihre Tage teilweise in der Schule, teilweise hier im Ashram und jeder spricht mit ihr, lächelt sie an und spielt mit ihr. Sie war die Kleinste hier im Ashram.
Jetzt ist Apara hier. Während Pari in unseren Augen zuvor klein aussah, war nun Apara noch viel kleiner. Als wir sie eines Tages mit nach draußen nahmen, kamen die Lehrerinnen und alle anderen, die außen herum standen, her, um sich unsere Apara anzusehen. Sie war der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und alle sprachen mit ihr oder über sie. Eine der Lehrerinnen nahm Apara in die Arme und die anderen beugten sich vor, um besser sehen zu können. Pari, zu der Zeit auf dem Arm ihrer Mutter, hatte schon vorher eine Schnute gezogen und fing jetzt sogar an, die Lehrerin, die Apara auf dem Arm hatte zu hauen – sie war eifersüchtig!
Wir schafften es, sie mit ein paar Keksen zu beruhigen, doch es war eine sehr deutliche Darstellung einer natürlichen Emotion: Eifersucht. Sie ist so jung und klein, niemand hat ihr beigebracht, was es heißt, eifersüchtig zu sein. Sie hat keine persönlichen Probleme mit Apara – wie könnte sie auch? – aber die Eifersucht wurde einfach ausgelöst, als sie merkte, dass die Aufmerksamkeit der Leute sich von ihr weg auf Apara verlagert.
Es gibt unterschiedliche Ebenen dafür, eifersüchtig zu werden, je nach deinem Geisteszustand, deinem Bewusstsein und deiner Willensstärke. Für dieses kleine Mädchen war es genug, eine weitere Person zu sehen, die mehr Aufmerksamkeit bekommt, als sie. Für Erwachsene braucht es vielleicht etwas mehr, zum Beispiel einen Partner, der sich in jemand anderen verliebt.
Was auch immer es ist, das dich eifersüchtig macht, du solltest gegen dieses Gefühl nicht ankämpfen. Das ist das Erste, was du lernen musst, denn das macht es nur schlimmer. Ich hoffe, die obige Geschichte zeigt dir, dass es ein vollkommen normales Gefühl ist. Du bist nicht schlecht oder falsch für die Tatsache, dass du dieses Gefühl in dir hast. Du musst Eifersucht als etwas natürliches akzeptieren. Es gibt keinen Grund, Schuldgefühle zu haben, weil du eifersüchtig bist. Akzeptiere es.
Du bist jedoch nicht mehr so jung wie Pari, also solltest du nicht anfangen, das Objekt deiner Eifersucht oder irgendjemand anderen zu schlagen oder zu boxen. Akzeptiere, dass du eifersüchtig bist und erkenne dann, dass es einen erwachsenen Weg gibt, mit diesem Problem umzugehen: sprich darüber, wenn du dich danach fühlst, ohne den anderen zu beschuldigen, sondern indem du deine Gefühle erklärst. Wenn es ohne das geht und du merkst, dass es nicht wirklich einen Grund dafür gab, eifersüchtig zu sein, ist das sogar noch besser! Habe einfach kein schlechtes Gewissen wegen der Tatsache, dass du eifersüchtig warst. Es ist einfach nur natürlich.
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