Umgang mit Negativen Emotionen – 16 Okt 08

Emotionen

Heute sind die letzten drei Yoga-Schüler auch abgefahren, obwohl es auch für sie schwer war, den Ashram zu verlassen. Einer von ihnen, Frank, fragte mich etwas: „Swami ji, hast du auch manchmal negative Gefühle?“ Ich fragte ihn, was er damit meinte und er antwortete, dass er über Gefühle wie Wut und Trauer sprach. Ich sagte zu ihm, dass ich auch ein Mensch bin und dass es ganz natürlich ist, dass diese ‚negativen‘ Gefühle kommen. Aber ich lebe nicht mit ihnen. Ich fühle auch manchmal Wut, Trauer oder Eifersucht zum Beispiel. Das ist ganz normal, aber ich halte nicht an diesen Emotionen fest. Es ist mein Weg, dass ich sie erlaube und akzeptiere. Wenn es einen Grund gibt, traurig oder wütend zu sein, dann bekomme ich diese Gefühle, aber ich kann nicht lange mit ihnen leben. Sie kommen und ich versuche, einen Grund zu finden, wieder glücklich zu sein. Ich glaube nicht daran, dass man mit diesen Emotionen kämpfen und sich abmühen muss. Ich lasse sie gerne zu. So denke ich, kann man sie akzeptieren und sie gehen lassen. Wenn du dagegen ankämpfst, leidest du noch mehr.

Manchmal gibt es auch Situationen, in denen es schwierig ist, etwas positives oder etwas zu finden, warum man glücklich sein kann. Man findet keinen Frieden und kein Glück, weil diese Emotionen so stark und so echt sind. In dieser Art von Situation denke ich auch, dass man das eher akzeptieren sollte als dagegen anzukämpfen. Dann kann man es mit der Zeit auch loswerden. Natürlich ist die Zeit, die man dazu braucht, bei jedem anders. Es hängt vom Bewusstsein ab, inwiefern eine Person sich ihrer Gefühle bewusst ist und sie mit offenen Augen analysieren kann. Das hilft, aus diesen Emotionen rauszukommen und anstatt blind vor Ärger zu sein, kann man sich dann beobachten.

Ramona war heute mit Yashendu beim Gemüsemarkt in Vrindavan. Als sie zurückkam war sie richtig fröhlich und glücklich, dass alles gesehen zu haben, alles was dort los ist und die vielen Menschen dort. Dann sagte sie mir, dass es auch etwas seltsam war, weil sie, als sie auf dem Markt war, zuerst sehr fröhlich war und plötzlich aber traurig wurde. Ich habe sie gefragt warum und sie erzählte, dass es auch schön gewesen wäre, wenn ihre Mutter mit dabei gewesen wäre. Sie sagte, sie fühlt sich dumm, weil sie 20 Jahre alt ist und jetzt da sitzt mit Tränen in den Augen und davon redet, dass sie ihre Mutter vermisst. Aber ich habe ihr gesagt, dass das ganz normal ist! Ich vermisse sie auch und ebenso die Menschen, die ich liebe und die nicht hier bei mir sind. Warum sollte sie dieses Gefühl nicht zulassen, nur weil sie 20 Jahre alt ist? Man muss diese Gefühle leben und sie dann gehen lassen. Ich habe ihr also gesagt, dass wir dann mit ihrer Mutter zum Markt gehen, wenn sie das nächste Mal hier ist.

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