Teenagern beibringen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen – 12 Jul 11

Eltern

Gestern habe ich geschrieben, dass wir unseren Kindern Disziplin in ihren Essgewohnheiten geben müssen. Da geht es nicht nur um die Essgewohnheiten, es gibt mehrere Bereiche, in denen man ihnen eine klare Richtlinie geben muss, während man ihnen in anderen Bereichen ihre Freiheit und eigene Verantwortung lassen. Besonders in der Teenager-Zeit, in der Pubertät, befinden sich unsere Kinder in einem schwierigen Prozess zwischen den elterlichen Einschränkungen der Kindheit und der Freiheit des Erwachsenenlebens.

In der Pubertät müssen unsere Kinder ausprobieren, wie viel Freiheit man ihnen gibt und wie viel man sie immer noch kontrolliert. Sie befinden sich im Übergang und werden langsam erwachsen. Jungen werden zu Männern und Mädchen werden zu Frauen. Sie fangen an, für immer mehr Dinge in ihrem Leben die Verantwortung zu übernehmen. Es wird immer mehr und sie brauchen etwas Freiheit, um diese Verantwortung auch zu entwickeln. Sie werden nach mehr Freiheit verlangen und wenn sie merken, dass sie sie bekommen, probieren sie aus, wie viel Freiheit sie genau bekommen. Gleichzeitig müssen sie sich aber auch selbst an diese Freiheit gewöhnen und lernen, wie es ist, ihre Verantwortung selbst zu übernehmen.

Sie beginnen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, sind sich aber manchmal bei diesen Entscheidungen noch nicht ganz sicher und suchen deshalb deinen Rat. Ein Gespräch kann dann in etwa so aussehen:

Tochter: ‚Welches Top soll ich heute Abend anziehen, das rote oder das schwarze?‘
Mutter: ‚Das, das du lieber magst. Du siehst in beiden gut aus.‘
Tochter: ‚Ich kann mich nicht entscheiden, welches gefällt denn dir besser?‘
Mutter: ‚Dann nimm doch das rote.‘
Tochter (zweifelnd): ‘Oh, wirklich? Sieht das schwarze Top nicht besser aus?’
Mutter (verwirrt): ‘Dann nimm eben das schwarze.’
Tochter (völlig genervt): ‘Aber die gefällt das ROTE besser! Na toll, danke, jetzt weiß ich gar nicht mehr, was ich heute Abend anziehen soll!‘
Und sie stürmt davon, um ihre Freundin anzurufen und um Rat zu fragen.

An solchen Beispielen sieht man deutlich den inneren Kampf, den das Mädchen mit der jungen Frau in sich ausführt. Einerseits meint das Mädchen, dass sie schon erwachsen genug ist, um ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Da geht es nicht nur um Kleidung, sondern auch darum, wie sie ihre Freizeit verbringt, die Schule, was sie macht und mit wem. Sie will selbst entscheiden. Andererseits will sie aber auch die Sicherheit des elterlichen Rats behalten. Bis jetzt war da immer jemand da, der ihr sagte, was sie tun sollte. Sie hatte keine Verantwortung zu tragen, musste nichts entscheiden und auch die Folgen nicht tragen.

Wenn Mutter oder Vater in dieser Situation eine Entscheidung treffen, egal ob es um Kleidung oder irgendetwas anderes geht, ist die erste Reaktion Rebellion. Der Jugendliche – Junge oder Mädchen – spürt, dass eine andere Person die Kontrolle übernehmen will. ‚Ich bin alt genug, um selbst entscheiden zu können!‘ ist der Gedanke und ‚Ich mache nicht das, was die wollen!‘ ist dann die Folge. Wenn dieses Gefühl der Rebellion stark genug ist, mache er oder sie genau das Gegenteil von dem, was die Eltern gesagt haben. Irgendwann kann es jedoch auch Zweifel geben: ‚In meiner Kindheit hatten sie immer Recht… kann es sein, dass sie jetzt auch Recht haben?‘

Das ist der innere Konflikt des Kindes und sobald du diesen Konflikt erkannt hast, wird es für dich als Elternteil einfacher, damit umzugehen. Lass deine Söhne und Töchter ihre eigenen Entscheidungen treffen und mit den Folgen umgehen. Kontrolliere nicht jede kleine Einzelheit, sondern lass sie einen Geschmack davon bekommen, wie es ist, erwachsen zu sein. Wenn sie ohne Jacke zur Schule gehen wollen, obwohl es wahrscheinlich etwas kühl wird, lass sie diese Erfahrung machen – natürlich nicht, wenn es draußen schneit, aber solange es ihrer Gesundheit nicht schadet, lass sie gehen. Du kannst den Vorschlag machen, dass ein Pulli oder eine Jacke nicht schlecht werden, aber zwinge sie nicht. Sie müssen sowieso lernen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, ansonsten bleiben sie für immer unentschlossen.

Es gibt jedoch Themen, bei denen man streng bleiben muss und bei denen sich die Frage gar nicht erst stellt, wessen Entscheidung befolgt wird. Immer, wenn eine solche Entscheidung fest steht, musst du deutlich machen, dass es für dein Kind keine Frage der Diskussion ist. Wenn du bei anderen Entscheidungen mehr Freiheit zugelassen hast, kann dein Kind solche festen Regeln und Entscheidungen leichter akzeptieren.

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