Tagesstätte für dein Kind – und was bleibt dir? – 28 Sep 16

Stadt:
Vrindavan
Land:
Indien

Als Eltern denkt man natürlich immer darüber nach, was für sein Kind das Beste ist. In der Tat ist das das Hauptziel: eine Umgebung für das Kind zu schaffen, die die beste Zukunft garantiert und ihn oder sie glücklich macht. Darüber vergessen viele Leute jedoch, dass diese Kinder ihre Eltern auch körperlich brauchen. Dass sie sie bei sich brauchen!

Heute in Gurgaon sprachen Ramona und ich wieder einmal hierüber. Wir waren für eine Knie-Untersuchung meines Vaters im Krankenhaus. Er hatte im März neue Kniegelenke eingesetzt bekommen und hatte einige Themen, über die er mit dem Arzt sprechen wollte. Wir gehen immer in das große Privatkrankenhaus, in dem auch Apra geboren wurde. Man geht hinein und sieht glückliche Krankenschwestern und Koordinatoren, man spricht mit den Ärzten und hat ein gutes Gefühl damit, dass man sich an sie gewandt hat.

Wir warteten gerade darauf, dass wir an der Reihe waren, da sagte Ramona zu mir: ist es hier in der Stadt nicht schön? Die Leute haben ihre Arbeit, wie hier im Krankenhaus, sie arbeiten ihren Arbeitstag lang und sind glücklich, gehen dann nach Hause und haben ihre Familienzeit. Es fühlt sich an, als hätten sie ein gutes Leben.

Als wir in der Cafeteria saßen – nachdem wir mit dem Arzt gesprochen hatten und er meinem Vater weitere Übungen empfohlen hatte – schauten wir eine Weile lang aus dem Fenster. Neben dem Krankenhaus gibt es einen Kindergarten, den wir nun im Laufe der Jahre haben wachsen sehen. Naben dem Name oben auf dem Gebäude sahen wir ein großes neues Plakat: ‚Offen bis 19:30!‘

Als wir das sahen, fühlten Ramona und ich das Gleiche: wie schade, wenn man sein Kind in einen solchen Kindergarten oder eine solche Kindertagesstätte geben muss. Man weckt das Kind in der Früh auf und macht die Morgen-Routine mit Zähneputzen und Frühstück, aber da ist nicht viel Zeit, schon müssen sie in der Schule sein und du bei der Arbeit. Und dann bist du bis zum Abend um halb acht beschäftigt! Hole dein Kind ab, dann eine Abend-Routine mit Essen und Bettgeschichte – und schon wird geschlafen!

Was hat dein Kind da von dir? Was hast du von deinem Kind? Habt ihr überhaupt Zeit, die ihr miteinander verbringen könnt? Die Tatsache, dass eine solche Tagesstätte gebraucht wird, zeigt mir, dass da etwas falsch läuft! Und das ist ein Teil der riesigen Firmenwelt: der Druck, die Zeit, die man dort verbringen muss und das, was die Kinder dadurch verlieren, dass du nicht für sie da bist und bei ihnen bist.

Ist es nicht schrecklich, dass es so ist? Und deshalb ziehe ich dem das Leben in einer kleinen Stadt wie Vrindavan vor: hier verdienen die Menschen vielleicht etwas weniger Geld. Vielleicht haben wir auch weniger Möglichkeiten, wenn es ums Einkaufen und so geht. Was wir jedoch haben, das ist Zeit für unsere Kinder. Natürlich ist das verallgemeinert. Der Trend geht auch hier in diese Richtung. Es ist wirklich schade…

Was auch immer du tust und wo auch immer du lebst: ich bin immer noch sehr stark der Meinung, das es besser ist, etwas weniger zu verdienen, etwas einfacher zu leben – dafür aber glücklich zu sein!

Eltern, Kinder

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