Wenn Ramona und ich über unser kleines Mädchen Apra sprechen, redden wir oft auch darüber, wie andere Menschen ihre Kinder großziehen. In solchen Situationen ist es nicht möglich, Vergleiche zu vermeiden, was im Westen üblich ist und was in Indien üblich ist. Und etwas, was ich meinen Freunden im Westen sagen möchte ist, es etwas gemütlicher angehen zu lassen, etwas mehr im Fluss zu sein und das ganz besonders mit euren Babys.
Das ist ein allgemeiner Gedanke, den ich eigentlich jedem empfehlen kann. Ich weiß jedoch aus Erfahrung, dass Menschen im Westen und vielleicht besonders in Deutschland gerne alles in ein System, eine Struktur einfügen, so dass es ordentlich und organisiert aussieht. Das ist sehr praktisch, wenn man zum Beispiel Termine organisierten muss und ich schätze die Fähigkeiten meiner Frau in diesem Bereich sehr, doch es gibt einige Dinge, die meiner Meinung nach nicht so sehr im Detail geplant werden müssen. Mit unserem kleinen Baby entdecken wir gerade einige dieser Dinge.
Während ich im Westen reiste, hatte ich mehrere Male die Situation, dass die Freunde, bei denen ich wohnte, oder die wir besuchten, aufstanden und uns sagten, dass es nun Bettzeit für das Baby war. Die Kleinkinder mussten alle zu einer bestimmten Zeit ins Bett, zum Beispiel um sieben Uhr. Oft waren die Kinder da noch nicht einmal müde. Als ich sie fragte, ob ihr Kind dann auch wirklich im Bett blieb und schlief, antworteten sie ‚Am Anfang hat er noch geweint, aber wir haben das jeden Tag gemacht, bis er sich daran gewöhnt hat.‘
Ihr habt vielleicht schon meine Gedanken zu bestimmten Methoden gelesen, die Eltern anwenden, um ihr Kind zum Schlafen zu bringen und wisst, dass ich mein Baby ganz sicher nicht da liegen und weinen lasse, während ich andere Dinge tue und schon gar nicht in anderen Teilen des Hauses! Das ist heute jedoch nicht das Thema. Heute denke ich über den strengen Zeitplan nach, dem man diesem kleinen Kind bereits so früh gibt. Ist das wirklich notwendig?
Ich denke, es ist etwas zu viel, das Leben unserer Kleinen bereits so streng zu planen. Ich widerspreche dem nicht, dass das Kind im Laufe des Tages eine bestimmte Struktur braucht. Natürlich ist es auch für die Eltern schwierig, besonders wenn sie arbeiten gehen, wenn das Baby die ganze Nacht über wach ist. Es ist gut, dem Kind von Anfang an zu helfen, seine Tiefschlafphase hauptsächlich auf die Nacht zu verlegen. Auf diese Weise bekommen die Eltern dann auch ihren Schlaf ab. Das heißt jedoch nicht, dass man da nach der Uhrzeit gehen muss. So funktioniert das Leben einfach nicht.
In der heutigen, stressigen Welt muss man zu einer bestimmten Zeit aufstehen, zu einer bestimmten Zeit im Büro sein und in einer einzigen Woche Hunderte von Terminen unterbringen. Dein Baby hat keinen einzigen Termin. Es muss nirgendwohin und muss niemandens Erwartungen erfüllen. Seine einzige Aufgabe ist es zu lernen und zu entdecken. Warum stresst du dich selbst und schließlich auch dein Baby mit einem Terminplan dafür, wann und wie dein Kleines essen und schlafen muss?
Sei natürlich mit deinem Baby und geh mit deinem Gefühl. Du bist die Mutter oder der Vater und kannst erkennen, wann er oder sie Hunger hat oder schlafen will. Dein Baby muss nicht um sieben Uhr schlafen gehen! Es ist okay, wenn es eine Stunde später wird! Versuche nicht, dein Baby in einen strengen Zeitrahmen reinzupresse. Versucht nicht, dem Kleinen bereits in diesem jungen Alter das Leben eines Erwachsenen beizubringen. Sieh stattdessen die Welt mit den Augen deines Kindes. Beobachte dein Baby und genieße die Freiheit, ganz ohne Aufgaben und Verantwortungen. Sieh diese Unbeschwertheit und lass sie dein Leben inspirieren, anstatt deinem Baby die einen Zeitplan aufzubürden.
Entspanne dich, genieße und vertraue darauf, dass der Terminplan deines Babys völlig in Ordnung ist, so wie er ganz natürlich ist.
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