Gestern habe ich euch von Apras Besuch im Krankenhaus erzählt, wo eine frische Mutter es schaffte, sie mit einem Satz dazu zu bringen, alles Staunen über das neugeborene Baby zu vergessen. Solche Hänseleien sind nicht ungewöhnlich, weswegen ich bereits zuvor darüber geschrieben habe. Aber ich wundere mich wirklich immer wieder, ob die Leute denn die Gefühle von Kindern nicht sehen können – oder ob sie ihnen einfach egal sind.
Wir haben das mit Apra unzählige Male erlebt. Wenn wir bei Freunden sind und sei es nur für eine Stunde, kann ich euch mit 100%iger Wahrscheinlichkeit sagen, dass eine der Personen im Raum zumindest einmal meiner Tochter sagt ‚Und du bleibst jetzt bei uns, okay? Lass die anderen heimgehen!‘
Herzlichen Glückwunsch! Während einem einstündigen Besuch bei dir zu Hause hast du es geschafft, einen solchen Eindruck bei meiner Tochter zu hinterlassen, dass sie dich in Zukunft nicht mehr besuchen möchte. Ja, das hat sie mir gesagt, gleich nachdem wir aus deiner Tür raus waren. Ich will heim. Ich will sie nicht mehr besuchen!
Ich weiß, du meinst es nicht ernst, dass du sie dabehalten willst, aber das weiß sie nicht! Ich weiß, du willst ihr dieses Gefühl gar nicht geben, aber merkst du nicht, dass du das tust? Ich weiß, es ist eine verbreitete Angewohnheit, aber meinst du nicht, dass es eine schlechte Angewohnheit ist?
Eltern machen das mit ihren eigenen Kindern auch oft. Ich muss sagen, dass mir diese Kinder wirklich leidtun, wenn sie hier zu Besuch sein, eigentlich heim wollen und dann ihre Mutter oder ihr Vater sagt ‚Ich gehe jetzt heim und lasse dich hier!‘ Halt, nein, mir tun nicht nur sie leid, ich möchte auch nicht, dass du mir das antust! Dein Kind mag dann doch gar nicht mehr hier zu mir nach Hause kommen, wenn du solche Drohungen verwendest!
Was willst du deinem Kind damit zeigen? Ganz offensichtlich das Gegenteil von dem, was ich meinem Kind beibringen will! Ich will, dass mein Kind immer weiß, dass ich für sie da bin, egal was passiert. Ich bin für sie da, wenn sie sich irgendwo nicht wohl fühlt. Ich bin ihr Hafen, mein Schoß ihr sicherer Ort und meine Arme ihr Zufluchtsort, wenn sie einen braucht. Sie soll nie das Gefühl haben, dass ich nicht für sie da bin. Wenn sie Unsinn gemacht hast und ich sie geschimpft habe, umarmen wir uns. Ich zeige ihr, dass ich sie liebe und für sie da bin, selbst nachdem ich wütend war und ihr gesagt habe, dass sie so etwas nie wieder machen soll.
Ihr werdet es nie miterleben, dass ich mein Kind hänsele, indem ich ihr sage, ich würde sie jetzt verlassen, während sie gerade glücklich am Spielen ist. Ich will sie nicht ängstlich sehen. Ich will nicht, dass sie weint und mich anbettelt. Ich will, dass mein Baby glücklich ist.
Und was willst du?
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