Im gestrigen Tagebucheintrag konntet ihr lesen, dass einige Inder ihre Kinder weit weg auf Internate schicken. Während ich das hier in Deutschland noch nicht oft gesehen habe, hat mir jemand erzählt, dass dieses System aus Großbritannien kommt – was logisch wäre, wenn man bedenkt, dass Indien von England stark beeinflusst war. und ich habe sogar gehört und weiß, dass in reicheren Kreisen und der höheren Gesellschaft das auch deutsche Eltern tun. Das zeigte mir, dass man nun viele Dinge nicht mehr einfach nur als ‚indisch‘ oder ‚westlich‘ beschreiben kann, sondern, dass sich diese Grenzen immer mehr verwischen.
Das passiert eigentlich recht oft und der erste Bereich im Leben, in dem ich das sehe, ist das Elterndasein. Wir haben ja bereits das Beispiel der Schule, zu der die Eltern ihre Kinder schicken. Das Gleiche geschieht auch mit der grundsätzlichen Idee der Erziehung. Was würde man im Allgemeinen von indischen Eltern denken? Dass sie ihren Kindern mehr Freiheiten geben, dass sie sie auch im Dreck spielen, dass sie nicht so viele Regeln aufstellen wollen und Kinder einfach nur Kinder sein lassen wollen. Bei westlichen Ländern würde man normalerweise glauben, dass sie ihren Kindern mehr Regeln und Struktur geben, dass sie nicht wollen, dass sie sich und ihre Kleidung dreckig machen und dass sie im Allgemeinen viele Anleitungen geben, was man tun sollte.
So ist es nicht. Vielleicht muss man sagen ‚nicht mehr‘. Oder man muss genauer sagen, von Menschen welchen gesellschaftlichen Status, welcher finanziellen Situation oder welchen Wohnorts man spricht. Denn es macht schon einen Unterschied!
Während es in Indien besonders unter den Ärmeren oder in kleineren Städten und Dörfern viele Menschen gibt, denen es nichts ausmacht, wenn ihre Kinder schmutzig sind, kann man das nicht für alle sagen. Ich denke, man kann nicht einmal sagen ‚der durchschnittliche Inder‘. Menschen aus höheren gesellschaftlichen Schichten, aber auch Eltern aus der Mittelklasse, die weiter hochstreben, als ihre eigenen Eltern jemals konnten, Menschen in Megastädten, aber auch in Kleinstädten – es gibt so viele Familien, die heutzutage auf Sauberkeit Wert legen, die mit ihren Kindern streng sind und ihnen klar machen, dass sie besser nicht auf der Straße oder im Dreck spielen sollten!
Wenn ein moderner Mensch im Westen solche indischen Eltern beobachtet und sieht, wie manche Mütter fast in Ohnmacht fallen, wenn sie ihre Söhne beim Kricket in den Dreck fallen sehen, fänden es wohl sehr unnatürlich und falsch. Altmodisch und veraltet, weit entfernt von der Natur des Kindes. Dass Kinder nicht dreckig werden sollten, ist ein Konzept der letzten oder vielleicht auch schon vorletzten Generation. Heutzutage zahlen Eltern im Westen sogar für Möglichkeiten, dass sich ihr Kind dreckig machen kann! Sie wissen, wie wichtig es für ein Kind ist, auch mal im Wald zu spielen, seine oder ihre Hände in Schlamm und Sand zu stecken und unterschiedliche Stoffe und Oberflächen anfassen zu können!
Überfürsorgliche Eltern ein Thema des Westens? Nicht mehr! Eltern, die den Tagesplan ihrer Kinder nicht zu sehr auffüllen, so dass sie auch noch leben können? Nicht mehr nur etwas, an das nur indische Eltern denken!
Indien und der Westen nähern sich einander an, die Grenzen verschwimmen. Versucht einfach, das Gute des anderen Landes anzunehmen, nur dann ist die Globalisierung wirklich von Vorteil!
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