Gestern habe ich über Eltern gesprochen, die beide bald nach der Geburt ihres Babies wieder zur Arbeit gehen. Ich habe gesagt, dass man für seine Kinder Zeit haben sollte, wenn man sich entschließt, welche zu haben. Gestern hat mein Freund Hans-Christian einen Kommentar auf meinen Blogeintrag geschrieben und darin angemerkt, wie schwierig es für Frauen ist, wegen ihren Kindern ihre Arbeitsstelle aufzugeben – sie haben weniger Einkommen in der Familie, dafür aber mehr Kosten, was bedeuten könnte, dass sie nach deutschen Maßstäben arm würden. Deshalb, und aus anderen Gründen, beschließen viele Frauen, keine Kinder zu bekommen – was ich als weise Entscheidung bezeichnet habe, wenn man wirklich keine Zeit für seine Kinder hat.
Ich verstehe, dass es für Frauen schwierig ist, diese Entscheidung zu treffen. Es ist für viele ein Herzenswunsch, Mütter zu werden und andererseits ist da die Gesellschaft, die dir sagt, wie viel du verdienen solltest, wenn du ein Kind hast, in wie viel Luxus du leben solltest und für welche Freizeitaktivitäten du genug Geld haben solltest. In manchen Ländern wird es von den Frauen heutzutage geradezu erwartet, auch zu arbeiten – andere haben es vor dir auch geschafft, du solltest dazu in der Lage sein, Mutter zu sein und gleichzeitig auch zu arbeiten.
Frauen geraten also unter Druck, wenn sie darüber nachdenken, ein Kind zu haben. Es schafft einen Konflikt zwischen ihren eigenen Interessen und den Erwartungen von Außen. Oft fühlen Frauen sich schuldig, wenn sie beschließen, weiter zu arbeiten, weil sie wissen, dass sie mit ihren Kindern keine Zeit verbringen können und sie fühlen sich andern gegenüber minderwertig, wenn sie wirklich ihre Arbeit aufgeben und daheim bleiben.
Ich denke diese Erwartungen von anderen und die gesellschaftliche Wertschätzung sind für Frauen eher ein Grund, ihre Arbeit nicht aufzugeben, als dass sie arm würden, zumindest in Deutschland. Wenn man in Deutschland lebt, bekommt man für sein Baby sogar finanzielle Unterstützung von der Regierung.
Es hängt alles davon ab, wie man das Wort ‘arm’ definiert, aber wenn man es realistisch betrachtet, ist man ja in der Lage zu leben, und sein Kind zu füttern. Vielleicht kannst du so kein luxuriöses Leben führen, aber es ist toll, du bekommst Hilfe und kannst deine Grundbedürfnisse decken! Verglichen mit Indien geht es dir immer noch richtig gut. Die Menschen hier sind viel ärmer, sie bekommen von der Regierung keine Unterstützung, aber natürlich sind auch ihre Bedürfnisse nicht so hoch.
Das ist die große Frage: wie groß sind deine Bedürfnisse, mit wie viel bist du zufrieden? Denkst du, du bist arm, wenn du nicht jedes Jahr in den Urlaub fahren kannst? Bist du nur zufrieden, wenn du einmal pro Woche im Restaurant Essen gehen kannst? Wenn das deine Bedürfnisse sind, könntest du Recht haben, wenn du meinst, dass du nicht aufhören kannst zu arbeiten. Für dieses Leben müssen vielleicht beide, Mutter und Vater arbeiten. Und in diesem Fall würde ich sagen, dass ihr nicht qualifiziert seid, Eltern zu sein, weil ihr keine Zeit für euer Kind habt.
Vielleicht könntest du aber darüber nachdenken, deine Bedürfnisse zu reduzieren. Wenn du einen großen Kinderwunsch hast, brauchst du vielleicht in Zukunft nicht mehr so viel neue Kleidung. Vielleicht kannst du auch auf einige andere Luxus-Ausgaben verzichten und beschließen, mit deinem Kind zu Hause zu bleiben. Zumindest einer der beiden Elternteile sollte dort sein, um mit dem Kind Zeit zu verbringen und ihm oder ihr Liebe zu geben. Ich denke für den durchschnittlichen Deutschen ist es nicht so sehr eine Frage der Armut, sondern des gesellschaftlichen Ansehens, was andere von dir denken.
Ich denke, dass die Arbeit einer Hausfrau in der Tat etwas sehr wertvolles ist. Kinder brauchen dich. Sie brauchen Liebe und Nähe und sie sind völlig von dir abhängig. Warum sollte es dich auf irgendeine Weise erniedrigen, wenn du beschließt, deinem Kind den ganzen Tag lang diese Nähe und Liebe zu schenken, anstatt zur Arbeit zu gehen und nur den Abend mit deinem Kind zu verbringen? Du erledigst auch daheim eine wichtige Aufgabe, wahrscheinlich wichtiger als das Management einer internationalen Firma – du schaffst die Grundlage für ein ganzes Leben.
Wenn du wegen Geld beschließt, bald nach der Geburt wieder zur Arbeit zu gehen, tust du das wirklich, weil du ohne deine Arbeit verhungern würdest? Oder möchtest du nur in mehr Luxus leben, könntest aber auch andererseits ganz gut leben? Denk darüber nach, wenn das der Grund ist, was bedeutet das? Du verbringst den ganzen Tag auf der Arbeit und hast dann Geld, das du deinem Kind geben kannst. Du willst deinem Kind das Beste geben, was verständlich ist, das wollen wir alle, aber du musst eine Sache erkennen: nur mit Geld kannst du deinem Kind keine schöne Zukunft sichern! Er oder sie braucht auch deine Zeit, Liebe und deine körperliche Zuwendung! Deine Liebe und emotionale Sicherheit schafft eine großartige Grundlage für ein ganzes Leben. Dein Kind kann selbst auch Geld verdienen, aber wenn du in ihrer Kindheit nicht für sie da bist, schwächst du diese Grundlage für eine gute Zukunft.
Stell dir einmal die Situation deines Kindes vor, das neun Monate in deinem Bauch war und dann raus in diese Welt kam. Jetzt hat dich dieses kleine Wesen nicht mehr nahe bei sich, nachdem es dir so lange näher war als jeder andere! Dein Baby vermisst dich!
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