Wie ich euch gestern bereits erzählt habe, ist hier immer jemand da, der sich um Apra kümmern kann und wir haben einige Freunde im Westen, die besorgt waren, dass sie vielleicht nicht lernen würde, auch mal alleine zu spielen. Sie hat definitiv die Fähigkeit entwickelt, sich mit sich selbst zu beschäftigen, doch diese Bedenken zeigten wir, wie wichtig das für westliche Eltern ist – und das ist auch ganz normal, wenn man sich die üblichen Umstände in einer Familie dort betrachtet. Diese Gedanken lösten natürlich einen weiteren Vergleich der üblichen, indischen Familiensituation mit der normalen, westlichen Familiensituation aus. Zuerst möchte ich über die übliche Situation einer Mutter in Indien schreiben.
Wir haben hier außerordentlich gute Umstände, da wir zu jederzeit Leute da haben, die auf unser Baby aufpassen können! Das ist toll für Apra, die von jedem lernt, aber auch für uns! Wir können beide unsere Arbeit machen, nicht nur während sie schläft, sondern auch während sie mit den Jungs, ihren Onkeln oder irgendjemand anderem spielt. Natürlich ist es etwas Besonderes – wir können jederzeit von unserem Computer aufstehen, um selbst mit Apra zu spielen und es gibt kaum Gelegenheiten, an denen wir uns um Gäste kümmern müssen, bei denen Apra nicht dabei sein kann. Jeder freut sich darüber, sie zu beobachten und alle spielen auch gerne mit ihr, also können wir sie leicht in das, was wir tun, integrieren. Ramona kann Apra immer stillen, wenn sie Hunger hat oder schlafen will, aber sie hat auch genug Möglichkeit zu arbeiten.
Während ich weiß, dass wir die Unterstützung von vielen Ashram-Mitarbeitern und damit einer außergewöhnlich großen Familie haben, denke ich, dass die Situation für die durchschnittliche indische Frau ähnlich vorteilhaft aussieht. Die normale indische Mutter hat vielleicht ganz so viele Menschen um sie herum, aber sie hat zumindest einige weitere Leute, die das Kind lieben und zu dem das Kind eine emotionale Verbindung aufbaut. Es ist für eine indische Frau normal, nach der Hochzeit zur Familie ihres Ehemanns zu ziehen. Das bedeutet, dass neben den Eltern des Kindes üblicherweise die Eltern des Vaters da sind, vielleicht sogar die Großeltern, die Brüder des Vaters und ihre Frauen und Kinder, alle im gleichen Haus. Wenn der Vater noch unverheiratete Schwestern hat, wohnen diese für gewöhnlich auch noch bei ihnen.
Die Mutter hat also mindestens eine oder zwei weitere Personen, die sich für eine Weile um das Kind kümmern können, während sie duscht, kocht oder den Haushalt macht. Das Kind ist versorgt, die Mutter ist in der Nähe, muss sich keine Sorgen machen und hat Freiraum, die Dinge zu erledigen, die sie erledigen muss – und vielleicht sogar noch etwas extra Zeit für ihr eigenes Vergnügen, um etwas zu lesen, mit Freunden zu telefonieren oder sich einfach nur zu entspannen oder zu schlafen.
Natürlich gibt es recht viel Arbeit mit einem Kind oder mehreren Kindern im Haus und auch diese Mütter liegen nicht den ganzen Tag herum und schauen fern, während ihre Verwandten all die Arbeit erledigen! Es ist immer noch viel zu tun, aber sie haben Unterstützung.
Wenn die finanzielle Situation der Mutter es nötig macht, dass sie arbeiten geht oder wenn sie gerne arbeiten möchte, wenn das Kind ein paar Jahre älter ist, ist es für sie viel einfacher, zur Arbeit zu gehen! Das Kind hat eine starke Verbindung zu den anderen Familienmitgliedern, er oder sie fühlt sich nicht einsam und obwohl die Abwesenheit der Mutter wohl bemerkt wird, wird sie nicht schrecklich vermisst. Der Rest der Familie schafft es, den oder die Kleine glücklich zu machen und zu beschäftigen, was in einer völlig fremden Umgebung wie einer Kindertagesstätte oder Krippe viel schwieriger wäre.
Der Hauptvorteil ist, dass beide Eltern und die Kinder die Unterstützung einer liebevollen Familie haben für alles, was sie machen. Körperlich, aber auch geistig ist in der normalen, indischen Familie jemand da, der die Verantwortung mit übernimmt.
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