Gestern habe ich die Situation der durchschnittlichen indischen Mutter beschrieben. Sie lebt in einer Großfamilie mit den Eltern und Geschwistern ihres Ehemannes im gleichen Haus. All diese Leute haben eine enge Verbindung zu ihren Kind oder ihren Kindern und so hat sie die Hilfe der anderen beim Aufziehen der Kinder. Heute möchte ich das mit der Situation der durchschnittlichen westlichen Mutter vergleichen.
Im Allgemeinen ist die Unterstützung, die eine Mutter in Indien bekommt, genau das, was Frauen im Westen sehr vermissen! Sie haben ihre eigene Wohnung oder ihr Haus oft weit weg von ihren Eltern oder den Eltern ihres Mannes. Niemand denkt daran, mit Geschwistern oder anderen Familienmitgliedern zusammen in einem Haus zu wohnen. Eltern im Westen sind ganz auf sich allein gestellt.
Man muss sich also auch nicht wundern, dass Mütter sich im Alltag gestresst fühlen. Sie sind eben die Einzigen, die für ihre Kinder da sind, den Haushalt führen und sich nebenbei auch noch um sich selbst kümmern! Sie finden kaum Zeit sich zu entspannen. Die einzige Möglichkeit dafür wäre, wenn das Kind schläft, doch das ist die Zeit, wenn sie sich beeilen, die Arbeiten zu erledigen, die sie nicht machen können, während ihr Kind spielt oder hinter ihnen herläuft! Die Wäsche machen, den Boden wischen, das Geschirr spülen oder die Post und die Rechnungen sortieren, alles, was eben sonst noch so getan werden muss.
Dabei rede ich hier nicht einmal von alleinerziehenden Müttern! Diese haben sogar noch weniger Unterstützung, aber ich schreibe hier über die normale Situation einer Mutter, deren Ehemann von Morgen bis Abend auf der Arbeit ist! Wenn er von dort wieder heimkommt, braucht er auch noch etwas Zeit, sich zu entspannen und dann wäre es toll, ein Abendessen zu bekommen! Erst dann kann er etwas Zeit mit seinem Sohn oder seiner Tochter verbringen – schließlich war er den ganzen Tag damit beschäftigt, das Geld für die Familie zu verdienen. Es ist normalerweise nicht seine Schuld, dass er seine Frau nicht so sehr unterstützen kann, wie sie es gerne hätte – schließlich muss auch jemand Geld einbringen!
Die Frauen verstehen und respektieren das normalerweise auch – doch das bedeutet, dass auf ihren Schultern alleine eine große Last liegt! Sie müssen sich den ganzen Tag um das Baby, das Kleinkind oder das Kind kümmern und all die Gefahren vermeiden, die für kleine Kinder ebenso bestehen. Gleichzeitig haben sie die Verantwortung für das Haus und wollen gleichzeitig auch für ihren Ehemann da sein! Seine Hemden für die Arbeit bügeln, das Essen kochen, das er gerne isst und da sein, wenn er jemanden braucht, mit dem er reden kann, dem er erzählen kann, wie sein Tag war und was er so im Kopf hat.
Ich habe von zwei unserer Gäste gehört, dass all ihre weiblichen Freunde mit kleinen Kindern glauben, dass sie mit der Entscheidung, Kinder zu haben, im Leben einen Kompromiss eingegangen sind. Es hat seinen Preis, sie mussten etwas aufgeben, sie fühlen sich gestresst oder unter Druck. Keine von ihnen kann sagen, dass sie zu 100% glücklich mit ihrer Entscheidung sind.
Für manche ist es ihr Eheleben, das ihrem Gefühl nach darunter leidet, dass sie kleine Kinder haben. Sie sind zu müde um mit ihrem Mann noch sehr intim zu werden, was ihnen dann Schuldgefühle bereitet. Sie haben das Gefühl, dass sie nicht genug Zeit mit ihrem Mann allein haben und müssen sich dann besondere Abende rausnehmen und einen Babysitter zahlen, so dass sie ihre Beziehung zu ihrem Partner wieder einmal vertiefen können.
Ist es nicht traurig, dass man praktisch das Gefühl hat, dass das Kind die Qualität deiner Beziehung zu deinem Ehemann mindert? Dass du ‚eine Auszeit‘ brauchst, kinderfreie Zeit mit deinem Partner? Du kannst so dein Familienleben nicht ordentlich genießen, weil du deine Zeit mit deinem Kind als Last empfindest – nicht immer und vielleicht gibst du es auch gar nicht zu, aber manchmal fühlst du dich einfach zu gestresst, um die Zeit mit deinem Kleinen wirklich zu genießen.
Das sehe ich viel im Westen – und es lässt mich daran zweifeln, dass die Individualität im Westen wirklich glücklich macht.
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