Gestern habe ich das Drumherum einer indischen Hochzeit beschrieben und damit eine Liste der Fragen eines Westlers auf einer indischen Hochzeit unterbrochen. Ich würde mit dieser Liste heute gerne fortfahren und dabei den ein bisschen näher auf die Menschen eingehen, die bei einer Hochzeit die Hauptdarsteller sein sollten: die Braut und der Bräutigam.
3. Bei der Ankunft: Oh wow, ist das ein Pferd?
Äh, ja, das ist wirklich ein Pferd und der Prinz obendrauf ist der Bräutigam! Inder haben Märchen-Hochzeiten, zu denen der Bräutigam auf einem Schimmel zur Braut geritten kommt, einen geschmückten Turban auf dem Kopf und sogar mit einem Schwert ausgestattet! Sie sind an diesem Tag der Prinz und die Prinzessin, der Gott und die Göttin!
4. In der Festhalle: Das ist also der Bräutigam – wo ist die Braut?
Hinter der Bühne, wahrscheinlich noch mit ihrem Make-up beschäftigt, heftig am Kichern mit ihren Schwestern oder besten Freunden.
5. Nach einer Weile: Die Braut ist immer noch nirgendwo zu sehen – kommt sie denn gar nicht? Einige Leute gehen schon wieder! Verpasst sie denn ihre eigene Hochzeit?
Oh, sie kommt schon noch, mach dir da mal keine Sorgen – probier mal die Süßigkeiten hier, die sind lecker!
6. Ein bisschen später: Da ist ja endlich die Braut! Was passiert jetzt? Das Paar scheint ja nicht gerade glücklich oder aufgeregt! Sie sitzen da oben auf der Bühne wie Statuen – kommen sie denn nicht runter und reden mit ihren Gästen?
Ich habe ja schon gesagt, dass Braut und Bräutigam heute wie ein Königspaar oder Götter sind. An diesem Tag mischen sie sich nicht unter das Volk! Sie sind ganz förmlich und tun, was sie tun sollen: sie legen einander Blumenketten um und setzen sich dann auf ihre Sessel, um Fotos machen zu lassen. Sie sollen nicht reden oder lachen, sie sollten schüchtern sein und, auf gute alte indische Weise auf Bildern eine ernste Miene machen.
Ja, Fotos ist das, was jetzt wichtig ist. Fotos werden in den unterschiedlichsten Zusammenstellungen mit allen Gästen gemacht, die das gerne möchten. Wenn die Gäste gegessen haben und die meisten bereits wieder gegangen sind, setzen sich endlich die Braut, der Bräutigam und ihre Familien hin zum Essen.
Die wahre Zeremonie folgt darauf, wenn nur noch die engsten Vertrauten noch da sind. Es ist der rituelle Teil, die Handlungen, die sie verheiraten, die für sie wichtig sind. Der Empfang zuvor ist eher eine gesellschaftliche Tradition. Man empfängt Gäste, heißt sie willkommen, gibt ihnen zu Essen und lässt sie das Essen und die Musik genießen – doch sobald das vorbei ist, fängt die eigentliche Hochzeitszeremonie an und die geht dann die ganze Nacht lang.
Am Morgen verabschiedet sich die Familie der Braut schließlich von ihrer Tochter, Schwester und Nichte. Es ist ein tränenreicher Abschied, da die Frau nun das Haus ihrer Eltern verlassen wird und ein neues Kapitel in ihrem Leben beginnt. Der Bräutigam nimmt sie mit zu sich nach Hause.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…
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