Heute möchte ich gerne einmal über einen kleinen Freund von dir schreiben. Ja, jemand, den du kennst. Jemand, der immer bei dir ist. Dieser kleine jemand ist manchmal ganz klein – und so magst du ihn auch – aber hin und wieder scheint er auf eine riesige Größe anzuschwellen, die dich dann nicht nur stört, sondern auch einiges an Schaden anrichten kann! Wer ist dieser Freund, von dem ich spreche? Richtig, es ist das Ego!
Ego ist etwas, das jeder Mensch hat. Wenn du in einem Wörterbuch nachsiehst, findest du wahrscheinlich eine ähnliche Definition wie die, die ich gelesen habe: „Ego, (v. griech. bzw. lat. Ich), bezeichnet den Selbst-Sinn (Selbstbewusstsein und Selbstaktivität), die Meinung, die man von sich selbst hat“. Jeder Mensch auf der Erde hat eine Meinung von sich selbst, sei das nun eine geringe, hohe oder sehr hohe Meinung. Manche Leute haben wenig Selbstbewusstsein, während andere etwas zu viel davon haben. Was auch immer bei dir der Fall ist, du kannst nicht bestreiten, dass du ein Ego hast. Du würdest ohne es überhaupt nicht existieren.
Immer, wenn man etwas über das Ego eines anderen hört oder an sein eigenes Ego erinnert ist, ist es für gewöhnlich in negativem Zusammenhang. Natürlich, denn dann bemerkt man es ja am meisten. Man sieht jemanden, dessen Ego so aufgeblasen ist, dass es seine Brust anschwellen und ihn die Nase hoch in die Luft strecken lässt. Es lässt diese Person wie einen Egoisten aussehen, einen selbstzentrierten, arroganten Mann – oder Frau – mit dem der Umgang keinen Spaß macht. In solchen Situationen hat man vielleicht den Eindruck, dass man selbst ganz anders ist und manch einer kommt vielleicht sogar zu dem falschen Eindruck, er hätte selbst überhaupt kein Ego. Diese Vorstellung wird in dem Augenblick zerstört, in dem dein Ego, wie groß es auch immer sein mag, dich in ein Problem verwickelt und du bereust, dass du ihm nachgegeben hast. Das Ego ist jedoch nicht nur etwas Negatives!
In der Tat ist dein Ego der Grund dafür, warum du weiterhin versuchst, Dinge zu erreichen, von denen du träumst. Dein Ego ist die Wurzel und Quelle deines Selbstvertrauens. Du brauchst dein Ego, um zu denken, dass du wirklich etwas schaffen kannst. Ohne diesen Gedanken, dass du etwas vielleicht erreichen könntest, würdest du es nicht einmal versuchen. Warum würdest du zu einem Vorstellungsgespräch gehen, wenn du keinerlei Selbstbewusstsein hättest, in dem Glauben, dass du die Arbeit nicht erledigen könntest, im Gespräch niemanden überzeugen könntest oder die Aufgaben, die dich erwarten, nicht erledigen könntest? Dank deinem Ego dafür, dass es dir das Gefühl gibt, du könntest bestimmte Dinge tun, selbst wenn sie schwierig sind!
Es herrscht besonders bei den Menschen, die sich spirituell nennen, die Vorstellung, man sollte sein Ego verringern und es idealerweise völlig auslöschen. Ich glaube nicht an dieses Konzept. Es kann gar nicht klappen – das würde dich handlungsunfähig machen, es würde dir jeglichen Mut nehmen, dein Vertrauen in dich selbst zerstören und dich am Ende umbringen, weil du vor lauter Selbstzweifeln nicht einmal in der Lage sein wirst, dir selbst etwas zu Essen zu holen.
Heiße dein Ego in gesunden Maßen willkommen. Kontrolliere es, ja, halte es in seinen Grenzen, aber versuche nicht, es vollständig zu vernichten, wenn du selbstbewusst und mutig bleiben willst. Du brauchst dein Ego, diesen kleinen Freund. Füttere ihn, aber nicht zu sehr.
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