Es ist immer noch schwierig, durch den Ashram zu gehen, sich vorzustellen, wie Ammaji aus dem Zimmer kommt oder dort sitzt, wo sie immer gesessen war. Der schwierigste Bereich ist ihr und Babbajis Zimmer, in dem sie einen Großteil des Tages verbrachte und Gewürze oder Kräuter vorbereitete, strickte, sich um Apra kümmerte, Einkaufslisten schrieb und kurzum den Ashram führte. Wir vermeiden das Zimmer jedoch nicht, sondern verbringen im Gegenteil so viel Zeit darin wie nur irgend möglich und das hat einen Grund: wir tun alles, um nun unseren Vater zu unterstützen, für den dieser Verlust am tragischsten ist. Sie war seine Frau, die Liebe seines Lebens.
Wir hatten geplant, nächstes Jahr ihre und Babbajis goldene Hochzeit zu feiern. 50 Jahre in einer glücklichen Ehe. Sie hatten geheiratet, als er zwanzig war und sie erst sechzehn. Seit damals, seit ihrer Jugend und dem jungen Erwachsenenalter, bis jetzt, dem Beginn ihres Alters, waren sie zusammen gewesen.
Ich habe zwischen meinem Vater und meiner Mutter mehr Liebe gesehen als je in irgendeiner anderen Beziehung. Meine Eltern waren für mich ein Beispiel dafür, wie nah sich zwei Menschen sein können, wie viel Liebe sie füreinander haben können und wie sehr sie miteinander verbunden sein können. Ihre Beziehung war etwas sehr besonderes. Ich habe sie nie straiten sehen. Sie neckten sich immer liebevoll, machten kleine Witze, lachten und liebten.
Babbaji ist derjenige, der schon immer viel im Garten machte und das immer noch tut, doch es gibt einen kleinen Bereich in unserem Garten, der mit einem Netz vor Affen beschützt ist – das ist Ammajis Teil des Gartens. Hier hat sie Gemüse und sogar Bananen-, Kokosnuss-, Ananas- und Mango-Bäume gepflanzt. Es war ihr Traum, diese Bäume wachsen zu sehen, so dass sie uns eines Tages Früchte aus ihrem eigenen Garten zu Essen würde geben können. Sie erntete stolz Bockshornklee, Spinat, jede Menge Brokkoli und noch viel mehr aus ihrem Garten. Während mein Vater Blumen pflanzte, pflanzte sie Gemüse an und die beiden streiteten sich im Spaß immer darum, was sie denn nun pflanzen sollten. ‚Pflanze etwas, was man essen kann, etwas nützliches!‘ sagte sie immer. Nun ist es für Babbaji sehr schwer, sich diesen Teil des Gartens anzusehen, die Pflanzen, die sie gepflanzt und mit ihren eigenen Händen gewässert hatte und auch die Kokospalme, die sie erst vor ein paar Tagen gekauft hatte, in der Hoffnung, dass dort in vier Tagen eine Kokosnuss wachsen würde.
Genau wie Ammaji eine liebevolle Mutter war, der Inbegriff einer Mutter, so war sie auch die liebendste Frau, die ich je gesehen habe. Sie kannte jede kleine Einzelheit dafür, was mein Vater mochte, von dem, was er aß zu dem, was er an Kleidung trug, wann er gerne wohin ging und was er wohl denken würde. Sie aßen immer gemeinsam und sie wartete auf ihn, dass er heimkam, auch wenn es spät wurde, nur damit sie ihre Mahlzeit miteinander teilen konnten. Sie tat so viel für ihn und er für sie. Er erzählte uns, wie sie sich an ihrem letzten Abend gemeinsam hingelegt hatten, fertig zum schlafen und Händchen gehalten hatten, so wie sie es jede Nacht getan hatten.
Es bricht mir das Herz, dass sie fort ist und es bricht mir das Herz noch viele Male mehr, wenn ich meinen Vater sehe und weiß, wie sehr er sie vermisst. Wer wird nun das Gemüse von seinem Teller essen, wenn er es nicht mehr möchte? Für wen soll er nun kleine Schmuckstücke kaufen? Wer wird nun wissen, wo sich jedes kleine Ding in seinem Zimmer befindet, so dass er einfach danach fragen kann und nicht suchen muss? Wessen Hand soll er nun halten, wenn er schlafen geht?
Er sieht sie in allem, was er tut, noch mehr als wir. Wenn er die Augen schließt, ist sie da. Wenn er sie aufmacht, ist sie nicht da. Wir tun unser Bestes, bei ihm zu sein, auf seinem Bett zu sitzen, wie wir immer mit ihm und Ammaji beisammen saßen, mit ihm und Naniji zu essen, wie die drei immer zusammen gegessen hatten und ihn in jeder Entscheidung, die wir treffen und die zuvor Ammaji getroffen hatte, miteinzubeziehen. Yashendu schläft sogar bei ihm im Zimmer, so dass er auch in der Nacht nicht alleine ist.
Doch immer, wenn er in Gedanken weit weg zu sein scheint, wenn er sich etwas ansieht, aber doch gar nichts sieht, wissen wir, dass er an sie denkt. Ammaji, seine Suman, seine Blume, die Frau, die er geheiratet und jeden einzelnen Tag ihrer Ehe geliebt hat. Die Frau, der er am Montag einen letzten Kuss auf die Stirn gab, bevor er ihren Körper zum Yamuna brachte.
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