Nachdem ich euch von den üblichen Still- und Abstill-Gewohnheiten in Deutschland und Indien erzählt habe, möchte ich euch heute davon erzählen, wie wir vor nur einer Woche Apra entwöhnt haben – und wie es so viel einfacher war als erwartet.
Wir waren von Beginn an sicher, dass Ramona Apra eine ganze Weile lang stillen würde. Nein, wartet, der Ausdruck ‚eine ganze Weile lang‘ ist so relativ, weil es ja nicht nur in unterschiedlichen Kulturen und Ländern Unterschiedliches bedeuten kann, sondern auch für Einzelpersonen.
Ramona und ich sprechen ganz offen und deutlich über solche Themen und als Apra geboren wurde, beschlossen wir, uns noch auf nichts festzulegen. Wir wollten, dass sie den vollen Nutzen aus dem Stillen zieht und so durfte sie lange die Milch ihrer Mutter trinken!
Als wir bemerkten, dass sie mehr feste Nahrung brauchte, damit sie wachsen könnte, reduzierten wir die das Stillen am Tag auf nur einmal, mittags, vor ihrem Mittagsschlaf. Das war einfach. Wenn sie Milch trinken wollte, lenkten wir sie mit etwas anderem ab und fütterten ihr andere Dinge, so dass sie voll war und Hunger also nicht der Grund sein konnte. Wenn sie trotzdem fragte, sagten wir ihr, dass sie jetzt nur im Bett, zum Einschlafen, Milch bekommen würde. Kleinkinder lieben Logik und ein bestimmtes Muster und als sie erfuhr, dass Muttermilch etwas für die Schlafenszeit war, stellte sie sich auch darauf ein.
Das Stillen am Mittag setzten wir aus, kurz bevor wir dieses Jahr nach Deutschland fuhren, als Apra bereits älter als zwei Jahre war. Mittags, als sie sichtbar müde wurde, nahmen Purnendu oder ich sie statt Ramona auf den Schoß, erzählten ihr Geschichten oder liefen mit ihr herum, bis sie einschlief. Zuerst gefiel ihr das nicht – das Mutter hatte sich geändert. Etwas mehr Anstrengung, Kreativität und vor allem Entschlossenheit waren nötig – wir gaben nicht nach. Das neue Muster war, dass sie nur gestillt wurde, wenn es am Abend dunkel war und wir zu Bett gingen.
Während unserer Zeit in Europa hielten wir uns an diese Regel – aber Apra war in den ersten Tagen verwirrt, da es bis ganz spät nicht dunkel wurde! Nach einer Weile gewöhnte sie sich an ihre Bett-Routine – aber aus irgendeinem Grund wachte sie dann irgendwann in der Nacht immer wieder auf und wollte gestillt werden, manchmal fast die ganze Nacht lang. Gegen Ende unserer Zeit in Deutschland beschlossen wir, dass es jetzt an der Zeit war, dieses Kapitel endgültig zu schließen.
Es gab keine Anzeichen dafür, dass sie von alleine aufhören würde, wie wir von so vielen Kindern in ihrem Alter gelesen hatten. Also mussten wir von unserer Seite etwas tun. Es gibt endlos viele Tipps und Tricks – davon, etwas Bitteres aufzutragen, das sie vom Trinken abhalten würde, bis zu der Idee, ihre Mutter sollte für ein Wochenende wegfahren – aber wir waren nicht wirklich für solch drastische Methoden! Wir wollten sie nicht erschrecken oder zu sehr traurig machen.
Als wir uns also wieder im Ashram eingelebt hatten, erzählten wir ihr, dass sie nun groß genug war, erzählten ihr, dass keines der großen Kinder Milch von ihren Müttern trank und dass sie nun Milch aus dem Glas trinken könnte. Außerdem sagten wir ich, dass es der Mutter wehtut, wenn so große Kinder trinken.
Wir hielten sie lange wach und beschäftigt. Als sie müde wurde, bestand sie eine halbe Stunde lang mit Schreien und Weinen darauf Milch zu trinken, aber ohne Erfolg. Am Ende schlief sie müde und erschöpft ein. Als sie in der Nacht aufwachte, war sie wieder sehr aufgebracht, dass sie nicht trinken durfte. Sie schien richtig wütend zu sein auf Ramona und mich – und nach zwanzig Minuten beschlossen wir, mit ihr rauszugehen. Wir gingen rüber zu ihrem Onkel Purnendu – und sie freute sich richtig, als wir bei ihm waren. Nach ein paar Geschichten und einer Runde durch den Ashram auf ihrem Schoß, war sie wieder eingeschlafen.
Und das war’s eigentlich. Am nächsten Tag hielten wir sie wieder den ganzen Tag wach. Am Abend war sie müde und fragte nur zweimal nach, schrie aber nicht mehr. Ramona und ich lasen ihr Bücher vor oder spielten etwas, bevor sie ins Bett ging – und recht friedlich einfach einschlief. Das Schönste daran ist, dass sie jetzt ohne Probleme die ganze Nacht durchschläft.
Für uns war das die richtige Zeit. Und ganz offensichtlich auch für Apra.
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