Warum wir Apras Schule wechseln mussten – 12 Sep 16

Stadt:
Vrindavan
Land:
Indien

Ich habe gerade gemerkt, dass ich in der Zeit, in der ich weniger Blogeinträge geschrieben habe, es verpasst habe, euch von einem wichtigen Tag zu erzählen, der noch eine große Veränderung in unser Leben gebracht hat: Apra geht nun ganz offiziell zur Schule!

Vielleicht erinnert ihr euch daran, dass ich euch letztes Jahr von Apras Besuchen in unserer Schule erzählt habe. Mit ihren dreieinhalb Jahren war sie immer noch sehr klein und wir hatten eigentlich nicht vorgehabt, sie so früh zur Schule zu schicken. Wir sind allgemein der Meinung, dass Kinder in dem Alter die Zeit zum Spielen brauchen und nicht dafür, in der Schule zu sitzen und zu lernen, wie es hier so oft der Fall ist. Doch Apras Ashram-Brüder gingen alle in der Früh zur Schule und so wollte sie auch unbedingt gehen – und sie ging gerne in den Unterricht, in dem Lehrer mit den Kindern sangen und spielten!

Also ließen wir sie gehen und ermunterten sie auch dazu. Doch bald merkten wir, dass es nicht so einfach war wie wir dachten. Apra hat ihren eigenen Kopf und begann zwischen den Klassen hin- und her zu wandern. Manchmal setzte sie sich in eine, manchmal in die andere Klasse. Die Lehrerinnen spielten gerne mit der Kleinen – doch das half ihr natürlich nicht zu lernen und gleichzeitig störte es die anderen Klassen! Und wann auch immer sie Lust hatte, kam sie zurück nach Hause, kam in unser Büro und erklärte, dass sie für den Tag mit der Schule fertig war!

Wir erkannten, dass unsere Schule, so sehr wir auch wollten, dass Apra hier lernte, immer dieses Problem aufzeigen würde: sie wäre nie eine unter allen und Zuhause wäre immer zu nahe! Für eine gewisse Disziplin, die sie im Leben lernen muss, braucht sie Abstand zwischen Zuhause und Schule! Doch was sollten wir tun? Wir wussten, dass die Schulen in der Umgebung alle in ihrem Alltag Gewalt anwenden – etwas, was für uns unmöglich zu ertragen wäre! Hatten wir eine andere Möglichkeit?

In den letzten Sommerferien kam schließlich eine Frau als Gast in unser Restaurant, die mal in einer Schule in Mathura gearbeitet hatte, von der wir bis jetzt nur gehört hatten. Wir hatten versucht herauszufinden, wo diese Schule war, hatten online jedoch Schwierigkeiten gehabt. Doch in unserem Gespräch mit ihr fragten wir ganz deutlich, ob dort Gewalt angewandt wurde – und erfuhren, dass es streng verboten war! Das war Musik in unseren Ohren!

Sofort riefen wir dort an und gingen am nächsten Tag die Schule besuchen – wir waren überwältigt! Dort, in Mathura, nicht zu weit von unserem Ashram entfernt, fanden wir einen Ort, der zu unserer Philosophie passt, wo Kinder spielerisch lernen können, wo Gewalt streng verboten ist und wo kein Druck auf die Kleinen ausgeübt wird! Aktivitäts-Stunden sind wichtiger und es gibt jede Menge Spielplätze, Sportplätze und Wiesen für Spiele auf dem riesigen Geländer der Schule. Die Lehrerinnen, die wir trafen, waren mit Apra sehr liebevoll und die Philosophie, die der Direktor uns erklärte, passte so gut mit unseren Vorstellungen zusammen, dass wir sofort die Anzahlung für Apras Aufnahmegebühr!

Und so kam es, dass wir am 4. Juli 2016 in die Schule gingen, Apra zwischen Ramona und mir, in ihrer neuen Schuluniform und unglaublich stolz! Apra und Ramona hatten eine Schultüte gebastelt – und nach einigen Stunden in der Schule durfte sie sie aufmachen und fand Süßigkeiten, Aufkleber und eine Stifte-Etui für das große Schulmädchen!

Jetzt sind wir also offiziell Eltern eines Schulmädchens – und natürlich habe ich einige Geschichten darüber, wie das unser und Apras Leben verändert hat!

Leave a Reply