Die Welt mit Apras Augen sehen – 20 Sep 12

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Gestern habe ich erwähnt, dass die Schule der Beginn des eigenen Lebens eines Kindes ist, der Anfang des Lernprozesses, mit dem sie selbstständig werden. Doch es geschieht bereits so viel, bevor sie überhaupt alt genug sind zur Schule zu gehen! Wenn ich meine acht-Monate-alte Tochter Apra betrachte, bin ich einfach nur fasziniert von ihrer schnellen Entwicklung und versuche immer wieder, die Welt durch ihre Augen zu betrachten.

Es ist klar, ein Kind in dem Alter, und sogar noch einiges älter, hat eine viel kleinere Welt als die, die wir kennen. Apras Welt ist nicht India, nicht Vrindavan, nicht einmal der ganze Ashram! Ihre Welt, die sie im Augenblick kennt, ist viel kleiner. Vor einigen Monaten war ihre Welt nur ein Radius von einigen Metern um sie herum. Sie konnte nur das sehen, was in ihrer Nähe war, für sie gab es nichts anderes. Sobald sie mehr sehen konnte, war ihre Welt der Raum, in dem sie sich befand. Sie sah sich überall um und erfasste genau, wo sie sich befand. Wenn sie in einen anderen Raum kam, veränderte sich ihre Welt. Das vorherige Zimmer, ihre ‚alte Welt‘ war vergessen.

Nun hat sie bereits genug Informationen in ihrem kleinen Kopf gespeichert um zu wissen, dass da mehr ist als nur das Zimmer, in dem sie sich befindet. Wenn sie mit Purnendu auf seinem Bett sitzt, schaut sie durch die Tür in das Büro, in dem wir sitzen und ruft uns zu sich rüber oder will, dass sie zu uns kommt. Wenn man sie auf dem Arm hat, streckt sie manchmal ihre Hände zur Tür aus und zeigt so ganz deutlich, dass sie raus will – offensichtlich weiß sie also, dass die Bürotür in die Haupthalle führt, wo alle anderen sitzen, die natürlich nur darauf warten, mit ihr zu spielen.

Für sie sind alle nur dafür da, sie zu unterhalten, mit ihr zu sprechen und mit ihr zu spielen. Vor einigen Tagen waren wir für eine medizinische Vorsorgeuntersuchung in dem Krankenhaus in Delhi, in dem sie geboren worden war. In neuer Umgebung sieht sie sich normal immer ein bisschen um, fängt aber bald an, das Umliegende zu erkunden. Während wir im Wartezimmer saßen, fing sie erst an, mit der Armlehne des Stuhls zu spielen und als sie das langweilte, sah sie sich die anderen Leute an, die auch dort warteten. Diese erwiderten ihren Blick nicht und so machte sie ein ‚Aah‘, um sie auf sich aufmerksam zu machen und wartete gespannt auf eine Reaktion. Als diese ausblieb, wurde sie lauter und lauter, was ihre Mutter und mich leise zum Lachen brachte. ‚Wie kann es sein, dass die Leute nicht mit mir reden? Sie schauen mich ja noch nicht mal an! HEY!‘ Das oder ähnliches müssen ihre Gedanken gewesen sein.

So fängt sie an mit wildfremden Leuten zu reden, vielleicht weil sie es im Ashram so gewöhnt ist, viele Leute um sich zu haben. Natürlich reagieren die meisten Leute und spielen mit ihr, was sie für eine Weile beschäftigt. Eine der Krankenschwestern kam immer wieder vorbei, um mit ihr zu spielen, bis Apra klare Zeichen gab, dass sie auf den Arm der Schwester möchte. Und da saß sie dann! Mit unserer Erlaubnis nahm die Schwester sie mit durch eine kleine Runde durch die Zimmer – und Apra hatte jede Menge Spaß!

Auf diese Weise wird die Welt unserer Kleinen nun immer größer. Sie will die Dinge jetzt selbst herausfinden, nicht auf unserem Schoß und an unseren Händen. Sie will herumkrabbeln und eigentlich herumlaufen – nur klappt Letzteres ohne Unterstützung noch nicht so gut. Darum lassen wir sie in ihrem Gehwagen sitzen und selbst Runden im Ashram drehen. Sie kreischt vor Freude, wenn sie so die Freiheit hat, selbst überall hin zu gehen.

Für uns ist es die größte Freude, ihr diese Welt vorzustellen und ihr all das zu zeigen, was sie noch nicht gesehen hat. Und auf diese Weise entdecken auch wir die Welt wieder neu, in den Fußstapfen unserer kleinen Apra.

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