Heute ist der 9. Juli 2012, ein Tag zum Feiern. Für euch mag das kein besonderer Tag sein und vielleicht fragt ihr euch jetzt, was an diesem Tag ist und versucht, aus eurem Gedächtnis irgendein historisches Ereignis der Geschichte herauszukramen. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass ihr da nicht auf unseren Grund zu Feiern kommt: unser kleines Mädchen Apra ist heute genau ein halbes Jahr alt!
Ja, es sind jetzt schon sechs Monate und die Zeit ist einfach an uns vorbeigeflogen! Es ist unglaublich, wie man nicht einmal merkt, dass ein weiterer Monat vorbei ist, während man zusieht, wie sich das eigene Kind entwickelt, wie es wächst und immer mehr lernt! Man lebt völlig in der Gegenwart, wenn man mit dem Baby zusammen ist. Man kann nichts anderes tun, als dort zu sein und an sie zu sein. Man kann sich überhaupt nicht in Vergangenheit oder Zukunft verlieren, weil sie in genau diesem Augenblick alle Aufmerksamkeit verlangt.
Yashendu kam gestern aus Europa zurück und staunt darüber, wie viele Dinge Apra in den zweieinhalt Monaten gelernt hat, als er weg war.
Ihre neuester Erfolg ist, dass sie gelernt hat zu schnalzen. Das haben bereits ihre deutschen Großeltern vor ihrer Nase gemacht, um sie zu Lächeln zu bringen, als sie im April hier waren. Jetzt kann sie es endlich auch und wenn sie schnalzt, dann tut sie das nicht nur einmal. Sie schnalzt und schnalzt bis einer von uns sie bejubelt – was uns ein großes, breites Lächeln von ihr einbringt, das es ihr dann schwierig macht, mit der Zunge zu schnalzen.
Einige Minuten später jedoch sieht man sie die lustigsten Gesichter machen, ihre Lippen spitzen, sie zu einem Kussmund nach vorne strecken und dann wieder zurückziehen, die Zunge zwischen sie stecken und wieder reinnehmen. Sie vergisst immer wieder, wie es geht! Einige Minuten lang ist sie dann damit beschäftigt und man hört keinen Pieps von ihr bis – ‚schnalz‘ – da ist es wieder!
Ich habe euch bereits erzählt, dass Apra sich selbst zum Stehen hochzieht, wenn man die Hände in ihre Richtung hält und dass sie sogar Schritte macht, wenn man sie hält. Wir machten Witze, dass sie laufen will, bevor sie sogar zu krabbeln gelernt hat und es ist wahr – immer, wenn sie die Chance hat, aufzustehen, und einige Schritte auf ein Spielzeug oder etwas anderes, was sie gesehen hat, zuzugehen und es zu weiter zu entdecken, steht sie auf. Wenn jedoch keine helfenden Finger in der Nähe sind, fängt sie jetzt auch an, ganz schnell auf Dinge zuzurobben. Halb auf den Knien, halb auf dem Bauch, hält sie sich manchmal mit den Armen und manchmal schiebt sie sich so schnell vorwärts, dass sie mit dem Gesichtchen direkt in die Decke vor ihr fällt. Sie spielt immer auf Betten, also kann sie nach links und rechts umfallen, ohne sich wehzutun.
Sie ist sehr aktiv und macht lautstark klar, wenn sie in ein anderes Zimmer oder woanders hin will. Sie sitzt oft auf jemandens Arm, sieht wie jemand anderes vorbeigeht und streckt ihre kleinen Arme so weit sie kann aus, damit man sie aufhebt. Und so spielt sie mit allen im Ashram. Manchmal jedoch lehnt sie sich einfach in ihrem Kinderwagen zurück, während die Jungs sie im Garten auf und ab schieben.
Unser Leben hat sich in den vergangenen sechs Monaten unglaublich verändert und ich kann euch sagen, dass es noch toller und noch fröhlicher geworden ist, mit noch mehr Liebe. Wir lieben es, sie wachsen zu sehen, jede kleine Entwicklung zu sehen und ihr Lachen und ihr Glucksen zu hören. Das Leben eines Babys ist wunderbar und das Leben mit einem Baby ist auch wunderbar!
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