Wir sind nun wieder in Vrindavan und obwohl unser Ausflug nach Delhi – oder Gurgaon – eigentlich nicht erfolgreich war und seinen Zweck nicht erfüllt hat, haben wir natürlich ein paar weitere Eindrücke gesammelt. Viele von diesen haben etwas mit Apra zu tun, mit der es immer Spaß macht auf Reisen zu sein, egal wohin. Die Menschen reagieren auf sie, nicht nur sie auf die Menschen – und dieses Mal fand ich eine Art, sich ihr zu nähern seltsam: ein Mann bot ihr an, mit seinem Handy zu spielen!
Wir waren im Hotel beim Frühstück, etwas, was Apra immer in vollen Zügen genießt. Sie nahm sich mal was von meinem Teller, mal etwas von Ramonas, dazwischen zur Abwechslung auch mal von ihrem eigenen Teller. Während wir so unsere Bäuche mit Früchten, Toast und mehr füllten, kam der Restaurant-Manager des Hotels an unseren Tisch um zu fragen, ob alles in Ordnung war. Ramona und ich antworteten, dass es uns sehr gut schmeckte.
Apra winkte zurück, als er ihr zuwinkte, aber als sie gefragt wurde, wie sie hieß, war sie zu schüchtern oder vielleicht zu beschäftigt um zu antworten. Er fragte sie, wie es ihr ginge und als sie auch darauf nicht antwortete, fragte er: ‚Möchtest du mein Handy haben?‘
Ramona und ich wussten beide, dass dies auf Apra nicht die gewünschte Wirkung hatte. Wir geben ihr keine Videospiele, sie hat ein paar Bildungs-Spiele auf unserem iPad und im Allgemeinen ist sie nicht verrückt nach Telefonen. Wie erwartet schüttelte Apra ihren Kopf und aß weiter, was den Herrn schließlich dazu bewegte, weiterzugehen.
Ramona und ich sahen einander an und wir wussten, dass wir das Gleiche dachten: ist das etwas Neues, um Kinder dazu zu bringen, einen zu mögen? Indem man ihnen sein Handy anbietet?
Wenn ja, so halte ich das für eine traurige Entwicklung unserer Gesellschaft! Ein Kind mit einem Videospiel zu bestechen? Versuchen wir nicht sowieso, unseren Kindern beizubringen, mit allen nett und freundlich zu sein, nicht nur mit denen, die uns etwas geben? Und meinst du wirklich, wenn das Kind dein Telefon nimmt, um damit zu spielen, so hätte es dann einen Grund, mit dir zu sprechen? Das Kind wird vom Telefon völlig aufgesogen und lässt sich sicher nicht auf eine Unterhaltung mit dir ein.
Als Eltern fragen wir uns besonders, was du denn meiner Tochter auf deinem Handy überhaupt zu tun geben würdest. Welche Art von Spielen würdest du ihr geben – und was, wenn wir dem nicht zustimmen würden? Ein weiterer Gedanke, dieser etwas lustiger – was würdest du sagen, wenn sie beginnen würde, sich deine Bilder anzusehen? Oder würdest du ihr schließlich das Telefon gar nicht geben? Wolltest du sie nur zu irgendeiner Reaktion bringen?
Wir bringen Apra bei, höflich Fragen nach ihrem Namen und ihrem Wohlbefinden zu beantworten. Während sie diese Manieren vielleicht noch nicht immer befolgt, wäre es mir lieber, wenn du nicht versuchen würdest, sie zu bestechen. Etwas normale Unterhaltung wäre viel besser und meiner Meinung nach viel wirkungsvoller!
Related posts
Jeder Augenblick mit meinem Baby ist wertvoll! – 5 Okt 16
Eltern eines Schulmädchens – Perfektionierung unserer täglichen Aufgaben! – 22 Sep 16
Apra gewöhnt sich an den Schulalltag – 14 Sep 16
Warum wir Apras Schule wechseln mussten – 12 Sep 16
Wenn Apra Spaß hat… – 18 Jun 16
Apras Fantasie erschafft ganze Welten – 20 Mai 16
Wie sich ein Kind über die Scheibenwischer eines Autos freuen kann! – 17 Mai 16
Die Freuden eines Kindes: die einfachen Dinge! – 16 Mai 16
Apra bei ihren deutschen Großeltern in Augsburg – 13 Mai 16
