Ich schreibe euch diese Worte aus Wiesbaden, Deutschland, wo ich in der Wohnung unserer Freunde Thomas und Iris sitze. Apra ist gerade eingeschlafen und so habe ich die Zeit, euch von unserer Reise von Indien nach Deutschland zu erzählen, Apras erster großer Reise und ihrem ersten Flug.
Nachdem wir uns von der Ashram-Familie verabschiedet hatten, fuhren wir in Vrindavan los. Wir starteten früh am Morgen, damit wir mit Apra ohne uns beeilen zu müssen durch den Flughafen laufen konnten. Sie schlief bis kurz vor dem Flughafen, wo wir uns dann von Purnendu verabschiedeten und das Gebäude betraten. Von dem Augenblick an, als wir den Flughafen betraten, war sie fasziniert. Er ist groß und dann sind da so viele Leute und so viele Dinge zu sehen! Die ganze Atmosphäre dort ließ sie sich staunend umsehen und immer wieder fragte sie Ramona und mich ‚Was ist das?‘ auf Hindi.
Mit jeder Menge Zeit kamen wir so am Gate an, setzten uns hin und hatten ein tolles Frühstück mit Paratha und Gemüse aus dem Ashram. Obwohl Apra auf dem Weg zum Gate schon müde war, war sie mit etwas Essen im Bauch wieder hellwach und machte sich daran, den Flughafen zu erkunden. Ramona drehte ein paar Runden auf den Rollbändern mit ihr und sie beobachtete, wie Flugzeuge an den Gates ankamen, wobei sie auf Deutsch hin und wieder ‚Flugzeug, komm!‘ rief.
Als es Zeit war, ins Flugzeug zu steigen, hatte sie sich bereits mit mehreren der Mitreisenden angefreundet, da sie immer neugierig die Leute um sie herum anspricht. Bei unseren Sitzen angekommen fing sie an, ihre Umgebung zu erforschen, setzte sich die Kopfhörer auf, las Zeitschirften und plapperte natürlich mit den Leuten, die sich in der Nähe hinsetzten. Schließlich flogen wir los. Wir wussten nicht, wie es ihr während dem Flug gehen würde, der ja mehr als acht Stunden dauern würde. Wir hatten gehört, dass es besonders beim Abflug und beim Landen mit kleinen Kindern schwierig werden kann. Was machte unser Mädchen? Während das Flugzeug immer schneller wurden und schließlich in die Luft abhob, schlief sie einfach ein.
Während dem ganzen Flug schlief Apra nur eine Stunde. Den Rest der Zeit verbrachte sie damit, das Unterhaltungssystem auszuprobieren, mit uns zu spielen, das Essen und die Snacks zu essen, die wir dabei hatten und die neuen Bücher zu lesen, die wir vor ihr versteckt gehalten hatten, damit wir im Flug eine Überraschung für sie haben würden.
Als wir uns Frankfurt näherten, nahm ich sie am Fensterplatz auf den Schoß und zeigte nach draußen, wo wir immer noch nur Wolken sehen konnten. Ich erzählte ihr, dass wir nun nahe beim Mond waren und obwohl es ein Tagesflug war und kein Mond zu sehen war, verstand sie es. Sie sieht den Mond immer und zeigt hoch in den Himmel, sie hört Kinderreime über den Mond und zeigt uns den Mond in Büchern, also weiß sie, dass er weit oben ist und dass wir nun dort waren. In einem Flugzeug nach Deutschland, genau wie wir es ihr erzählt hatten.
Als wir dem Flughafen in Frankfurt näher kamen, war sie von allem fasziniert, was da so näher kam und zeigte uns alles ganz aufgeregt. Sobald das Flugzeug auf dem Boden aufsetzte sagte ich ihr ‚Jetzt sind wir in Deutschland!‘
Yashendu, Thomas und Iris holten uns ab und wir waren sehr froh, in unserem deutschen Zuhause anzukommen. Wir dachten, Apra wäre einfach nur sehr müde und würde bald einschlafen, vielleicht sogar auf dem Weg nach Hause, aber das Gegenteil war der Fall. Obwohl es für uns, die wir aus Indien kamen, bereits Nacht war, war sie wach und bereit dazu, das Haus zu erkunden. Natürlich war sie müde, aber zu aufgeregt, um überhaupt ans Schlafen zu denken. Thomas, Iris und liebevolle Freunde hatten einiges an Spielzeug für sie vorbereitet und sie spielte bis wir, auch erschöpft, sie mit ins Bett nahmen. Wir sind jedoch alle noch auf indischer Zeit und so wachte Apra um der Uhr morgens wieder auf – völlig wach und bereit für das nächste Abenteuer!
Ich bin nach langer Zeit wieder hier in Deutschland. Als ich zum ersten Mal hier war, wusste ich nicht einmal, wo dieses Land auf einer Landkarte zu finden ist, aber im Laufe der Jahre ist es mir zum zweiten Zuhause geworden – und nun lernt auch meine Tochter, geboren in Indien aber deutsche Staatsbürgerin, dieses Land kennen. Sie wird bald aufwachen, dann gehen wir raus, kaufen etwas ein und fangen an, ihr Deutschland zu zeigen.
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