Ich habe euch gestern erzählt, dass wir wirklich einen recht netten Aufenthalt im Krankenhaus hatten. Und wenn ich das sage, dann nehme ich da Apra nicht raus. In der Tat glaube ich, dass es für sie wie ein kleiner Urlaub war, voller Aufregung, neuer Dinge zu sehen und jeder Menge Spaß.
Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es ihr so sehr gefallen hat! Das hatte bereits bei unserem ersten Besuch letzten Mittwoch begonnen, als sie das Krankenhaus betrat und die große Tiger-Skulptur entdeckte, die dort in der Eingangshalle lag. Rot bemalt mit blauen Streifen war dieser Tiger ein faszinierendes Stück Kunst und vom ersten Tag an ging sie, immer, wenn sie in der Eingangshalle war, zu dem Tiger hin, bot ihm etwas von ihrem Essen an, streichelte ihn und küsste ihn sogar zweimal.
Sie kam recht oft mit Essen vorbei, da die Krankenhaus-Cafeteria gleich neben dem Eingang liegt. Sie haben Dort keine riesige Auswahl, aber sie haben Mais – und Apra liebt Mais! Ich glaube an den zwei Tagen im Krankenhaus hat sie etwa sechs Becher Maiskörner mit Butter und Salz gegessen! Und natürlich gab es auch Eis und den leckeren, frischen Orangensaft, den ich auch so gern trinke.
Wer nun meint, dass Purnendu und Ramona, die beide tagsüber bei mir waren, den ganzen Tag mit ihr durchs Krankenhaus laufen mussten, um ihr Unterhaltung zu bieten, liegt falsch. Ich glaube, sie verbrachte die meiste Zeit auf unserem Zimmer. Es war ein recht großer Raum mit einem kleinen Sofa, einem schmalen Bett für den Begleiter, einem Tisch und einem Schrank. Und genug Platz für sie zum Singen und Tanzen! Sie malte, las mit Ramona Bücher, hörte sich Purnendus Geschichten an, spielte mit ihrer Puppe und ihrem Stoffschaf und sah fasziniert zu, was die Ärzte und Krankenschwestern machten.
Natürlich hatten wir ihr erzählt, warum wir im Krankenhaus waren und was vor sich ging. Sie sah mit offenem Mund zu, als die Krankenschwester die Kanüle in meine Hand steckte, um mir die Medizin direkt in die Venen zu schicken. Sie hat sich unsere Erklärung angehört, wie der Arzt mein Knie repariert hat und spielt seitdem jeden Tag mit ihrer Puppe ‚Doktor‘.
Sie ist ganz offensichtlich nicht in einem Alter, in dem die Krankenhaus-Umgebung sie einschüchtern würde. Sie akzeptierte einfach die Tatsache, dass wir nun eine Nacht dort verbringen würden. Sie und Ramona haben in meinem Zimmer geschlafen, auf dem Sofa, das Ramona nahe an das Begleiterbett gezogen hatte. Während Ramona und ich oft wach waren, schlief sie wie ein Baby.
Nicht einmal weinte sie, weil sie heimgehen wollte. Nicht einmal trotzte sie, weil sie sich in einer fremden Umgebung befand. Sie hatte Spaß daran – und für mich war es das Tollste, dass sie auch da war. Wie soll man seinen Schmerz nicht vergessen, wenn seine kleine Tochter neben dem Bett tanzt und auf niedlichste Weise ihre Hüften schwingt? Wie könnte man nicht emotional werden, wenn sie einem einen Kuss gibt, über die Wangen streicht und fragt, ob der Arzt das Knie denn repariert hätte?
Apra, Baby, wenn du das in einigen Jahren liest, weißt du, dass du einer der Gründe dafür bist, dass ich mich so schnell erholt habe, wie ich mich hoffentlich erholen werde. Weil ich mit dir tanzen will, mit dir oder hinter dir herrennen will, dich auf unseren Spaziergängen zum Tor auf den Armen tragen will und dich bald wieder auf mir herumturnen lassen will!
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