Habe keine Angst vor der Angst – 10 Mai 12

Angst

Vor Kurzem habe ich online ein Zitat gesehen, über das ich gerne einen Blogeintrag schreiben möchte: ‚Mit Liebe werden wir geboren, Angst lernen wir‘. Wer diese Worte liest, denkt erst einmal ‚Ja, richtig, schöne Worte‘. Es hört sich ja auch gut an, aber als ich darüber nachdachte, musste ich im nächsten Augenblick feststellen, dass ich diesem Satz nicht wirklich zustimme.

Ich glaube, dass wir mit allen verschiedenen Emotionen geboren werden. Wir haben natürlich Liebe, aber wir haben auch Wut, Eifersucht, Glück, Trauer und sogar Angst in uns. Das alles sind einfach nur natürliche Emotionen, die von Beginn an in uns stecken. Und es ist gut, dass sie da sind. Angst zum Beispiel ist für unser Überleben sehr wichtig. Kinder haben Angst vor Höhen und darum würden sie nie von einer hohen Höhe herunterspringen. Wegen dieser Angst verletzen sie sich so also nicht. Es gibt mehrere solcher Beispiele, die zeigen, dass diese Angst nicht negativ ist, sondern uns in Wirklichkeit vor Schaden bewahrt.

Als ich diese Gedanken zuvor einmal äußerte, habe ich von religiösen Leuten Feedback bekommen, die meinten, dass man einen Unterschied machen müsste zwischen Instinkt und Angst. Sie argumentierten, dass das, womit wir geboren wurden, instinktive Angst und damit etwas völlig anderes ist.

Natürlich stimme ich zu, dass wir nicht mit finanzieller Unsicherheit, religiösen Ängsten, wie zum Beispiel vor Hölle oder Sünde oder auch der Angst vor Krankheiten geboren werden. Babies haben keine Angst vor der Strafe Gottes. Warum sollten sie auch? Das ist etwas Gelerntes. Es ist eine falsche und unnötige Angst, die die Religion Menschen seit Ewigkeiten lehrt. Kinder haben auch keine Angst davor, dass der Aktienmarkt zusammenbricht – das ist nicht etwas, mit dem wir geboren werden. So weit stimmt der Satz ja noch. Doch das bedeutet nicht, dass Angst, die Emotion, etwas ist, das wir lernen! Angst ist nicht negativ, es ist eine natürliche und sehr notwendige Emotion! Es ist negativ, den Menschen beizubringen, vor falschen Gefahren oder dem Leben selbst Angst zu haben. Angst ist jedoch ein normaler Teil dieser Welt.

Ich stimme dem heutzutage beliebten Gedanken spiritueller oder esoterischer Menschen nicht zu, die meinen, die Welt sollte nur aus Liebe bestehen, sonst nichts. Sie neigen dazu zu vergessen, dass manche Emotionen, die sie negativ nennen, zum Leben und zur Entwicklung notwendig sind. Sie müssen da sein, sie sind natürlich!

Die Idee hinter diesem Zitat ist grundsätzlich, dass man ohne Angst geboren wird und Angst etwas Negatives ist. Sie denken, glauben und sagen praktisch, dass Angst schlecht ist und Menschen, die Angst verbreiten schlecht sind. In allen spirituellen Verschwörungstheorien gibt es diejenigen, die allen Menschen Angst einflößen und die damit die Bösen sind. Was auch immer man davon hält, sollte man doch nicht so verallgemeinern und einfach sagen, dass Angst schlecht ist und jeder, der jemand anderem irgendeine Art von Angst vermittelt, böse ist. Das würde bedeutenn, dass Eltern zum Beispiel böse Leute sind, weil ihr Kind Angst vor Skorpionen hat – weil sie stechen und sogar töten können. Oder sie sind schlechte Menschen, weil ihr Kind sich vor Feuer fürchtet. Um ganz deutlich zu sein, muss man sagen, dass die Eltern dem Kind diese Angst vermittelt haben. Mit der zuvor erwähnten Einstellung würde man sagen, dass die Eltern schlechte Menschen sind. Ich würde sagen, dass die Eltern ihrem Kind diese Angst vermittelt haben, um Schaden zu vermeiden und Gefahren abzuwehren. Alles andere wäre unverantwortliches Verhalten gewesen.

Angst wird als negative Emotion gesehen. Die Menschen wollen einfach nicht akzeptieren, dass diese Emotion von Beginn an ein Teil von ihnen ist. Sie wollen sich selbst als von Geburt aus rein sehen und bilden sich ein, dass dann ihre böse Umgebung, all diese bösen Menschen, die Gesellschaft und die böse, böse Welt ihnen diese Angst und alle anderen negativen Emotionen gelehrt haben. Man beschuldigt also lieber die ganze Welt, anstatt einfach nur zu akzeptieren, dass diese Gefühle natürlich sind. In meinem Tagebuch habe ich einmal die Eifersucht eines ganz kleinen Kindes beschrieben und sie als gutes Beispiel dafür gesehen, dass Eifersucht für uns einfach nur natürlich ist.

Das Problem in einer Diskussion mit religiösen Menschen ist, dass sie nicht nur meinen, dass ihr Glaube der Beste ist, sondern dass sie ihre Schriften in ihren Argumenten als Beweis verwenden und dann verwirrt sind und es kaum glauben können, wenn jemand ihre Zitate nicht als die Wahrheit anerkennt.

Dieses Zitat, der Satz, wegen dem ich all das schreibe, besagt, dass wir mit Liebe geboren wurden und die Leute meinen, wir wären nicht mit ‚negativen Emotionen‘ wie Angst, Wut oder Hass geboren, dass diese sich entwickelt hätten und uns beigebracht wurden. Doch wenn du meinst, dass keine dieser Emotionen von Anfang an da war, warum meinst du dann, dass Liebe da war, als du geboren wurdest? Könnte diese sich nicht auch entwickelt haben, in den ersten Stunden oder Tagen, wenn die Mutter das Kind berührt und der Vater das Kind umarmt?

Was ist das Problem, sollten alle diese ‚negativen‘ Emotionen auch von Beginn an in uns sein? Wir müssen einfach wissen, wie wir damit umzugehen haben. Niemand kann sich von der Wirklichkeit abwenden und verleugnen, was existiert. Wir werden mit unseren Emotionen geboren und wir müssen lernen, mit ihnen umzugehen. Sobald wir das gelernt haben, ist es viel einfacher, unterschiedliche Stimmungen, Handlungen und auch Fehler zu akzeptieren. Sei natürlich!

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