In der letzten Woche habe ich euch von einer Familienfreundin erzählt, die gerade eine Tochter zur Welt gebracht hat. Sie wollte das Krankenhaus aus einem Aberglauben nicht an einem Samstag verlassen, weil das Pech bringen könnte. Sie wurde am Freitag entlassen und ist mit dem Baby gut daheim angekommen. Gestern war Ramona wieder bei ihr zu Besuch und unterhielt sich mit ihr über solchen Aberglauben. Wieder daheim hatten wir dann ein Gespräch hierüber und über ähnlichen Aberglauben und das Problem von Generationen zwischen dem sich verändernden Glauben.
Ramona erklärte unserer Freundin, dass sie nicht sofort verstanden hatte, warum sie nicht am Samstag aus dem Krankenhaus kommen wollte, besonders, da sie nicht gewusst hatte, dass unsere Freundin an solche Dinge glaubte. Sie antwortete, dass sie vor drei Jahren, als ihre erste Tochter geboren worden war, auch nicht daran geglaubt hatte. Damals waren sie auch im Krankenhaus und am Samstag sagten ihnen die Ärzte, dass alles in Ordnung war und dass sie gehen konnten. Und das taten sie. Nachdem sie jedoch daheim angekommen waren, wurde der Körper ihrer gerade geborenen Tochter wärmer und schließlich heiß. Sie fühlte sich ganz sichtlich unwohl und weinte. Wegen dem hohen Fieber mussten sie am Ende einen Arzt rufen. Als sie das am Telefon ihrer Mutter erzählte, war die Antwort ‚Schätzchen, du hättest das Krankenhaus nicht an einem Samstag verlassen sollen!‘
Man sieht also, wie solcher Aberglaube weitergetragen wird! Wenn jemand nicht danach handelt und etwas Schlimmes passiert, wird demjenigen die Schuld gegeben. Vielleicht ist dieser Aberglaube ja auch genau auf diese Weise entstanden! Jemand kam an einem Samstag nach Hause und eine Katastrophe passierte in der Familie. Wäre er an einem Dienstag nach Hause gekommen, würden die Leute glauben, man sollte nicht an Dienstagen heimkommen.
Ich sage meine Meinung immer recht unverblümt und meine Freunde wissen, dass ich weiterhin darauf bestehen würde, dass das nur Zufall war und nichts mit dem Wochentag zu tun hat. Doch wenn deine ganze Umgebung darauf besteht, an solche Dinge zu glauben, ist es sehr schwierig, eine andere Meinung zu haben und das erleben viele Menschen heutzutage.
Versuche einmal, dich selbst in diese Situation hinein zu versetzen: deine Eltern, Tanten und Onkel, diejenigen, mit denen du dein ganzes Leben verbracht hast, glauben an etwas, das du nur für Aberglauben hälst. Etwas, von dem du weißt, dass es in anderen, moderneren Teilen der Welt nicht existiert. In den großen Städten des Landes glaubt keiner mehr daran! Aber du bist hier, in einer Kleinstadt oder sogar auf dem Land. Du willst modern sein und sagst den Älteren in deiner Familie, dass du nicht daran glaubst. Ihr habt Diskussionen, vielleicht sogar Streit deswegen. Du weißt ja, dass sei sich Sorgen machen und nach dem, was sie glauben, nur das Beste wollen. Für sie hat es funktioniert, sie haben ihr Leben danach gelebt und so schlecht war das ja nicht, oder? Aber ihr Glaube ist in deinen Augen Unsinn! Du willst sie nicht verletzen oder vielleicht gar ihre Unterstützung verlieren, aber du willst auch keinen veralteten Mustern folgen und Dinge aufgeben, nur damit kein Streit mehr ist! Was ist da zu tun?
Manche Leute geben auf und machen einfach mit, um Frieden zu haben. Manche Leute kommen zu einem Kompromiss, mit dem beide Seiten zustimmen, nicht ins Extreme zu gehen, ein paar der traditionellen Elemente beizubehalten und vielleicht auch etwas Aberglaube zu befolgen, weil es den anderen glücklich macht, aber das komplizierteste und sinnloseste Verhalten nicht mitzumachen. Und dann gibt es diejenigen, die alles komplett verweigern. Für sie bedeutet das manchmal mehr Mühen oder sogar Probleme, weil sie beschlossen haben, einen ganz anderen Weg zu gehen. Es kann ein sehr schwieriger Weg sein, aber es könnte gleichzeitig der Weg mit der größten inneren Zufriedenheit sein, weil man das getan hat, was für Kopf und Herz richtig war.
Wenn du in einer Situation bist, in der der Glaube der Älteren und deine eigenen Ideen davon, wie man leben sollte, aufeinanderprallen, wünsche ich dir, dass du es schaffst, dir selbst treu zu bleiben und alles mit so wenig Problemen und Streitpunkten wie möglich zu regeln. Manchmal lässt sich eine erhitzte Diskussino nicht vermeiden und da musst du deinen Standpunkt klar und deutlich darstellen. Am Ende jedoch werden die, die du liebst, erkennen, dass deine Liebe wichtiger ist als alter und lächerlicher Aberglauben. Die Zeiten haben sich geändert und Wissen und Wissenschaft haben Fortschritte gemacht.
An diesem Punkt möchte ich meiner eigenen Familie, meinen Eltern und meiner Großmutter, noch einmal danken, dass sie so offen, tolerant und flexibel sind!
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