Gestern habe ich euch erzählt, dass ich einiges an Rückmeldungen bekam, als ich erzählte, dass zwei unserer Mitarbeiter wegen den Windpocken ihre Arbeitsstelle aufgegeben haben. Während ich gestern berichtete, wie manche abergläubige Leute fragten, warum wir sie denn zum Arzt geschickt haben, gab es andere, die sich auf einen anderen Punkt konzentrierten: als sie fragten, ob sie zurückkommen konnten, wenn sie ohne Medizin wieder gesund würden, lehnten wir das ab. Warum?
Mir wurde in Verbindung mit dieser Entscheidung vorgeworfen, ich hätte jemandem die Arbeitsstelle genommen, weil sie nicht an das glaubten, woran ich glaubte. Zunächst möchte ich einmal auf diese Anschuldigung antworten. Mir ist es normalerweise wirklich und ehrlich völlig egal, an was unsere Angestellten glauben. Ob sie Hindus, Christen, Moslems oder Atheisten sind – das ist eihre eigene Sache und weder frage ich sie danach, noch mische ich mich da auf irgendeine Weise ein. Ihre Glaubenseinstellung hat für mich nichts mit ihrer Arbeitsqualität zu tun. Ich habe da eine professionelle Einstellung und erwarte das auch von ihnen.
Die meisten, wenn nicht alle, unserer Angestellten haben eine recht deutliche Vorstellung von der Tatsache, dass wir überhaupt nicht religiös sind. Sie wissen, dass die Einzige in der Familie, die einen Altar hat und diesen auch zur Verehrung verwendet, meine Großmutter ist. Sie weiß, dass wir sogar auf großen religiösen Festen keine Zeremonien durchführen, an Fastentagen essen wie gewöhnlich und dass man an uns keinerlei Zeichen einer Religion oder Kaste findet. Wir halten sie jedoch auch nicht von ihre eigenen Gottesverehrung ab.
In unserem Alltag funktioniert das ganz gut und es hat noch nie solche Probleme gegeben, aber nun haben wir diese Entscheidung aus einem bestimmten Grund getroffen: während der Glaube unserer Mitarbeiter nichts ist, worauf wir Einfluss nehmen wollen oder worüber wir ein Urteil fällen wollen, haben wir doch immer einige Jungen im Ashram, für die wir eine bestimmte Verantwortung haben. Diese Kinder wurden nicht nur in unsere Obhut gegeben, damit wir sie mit Kleidung, Essen oder was sie sonst noch so brauchen ausstatten, sondern auch, damit wir ihnen etwas beibringen – in der Schule und auch daheim. Moral und Werte sind etwas, das ein Kind in der Kultur daheim lernt und diese Kinder sind im Ashram zu Hause.
Wir sind offen und tolerant gegenüber der Welt – diese Kinder lernen den Hinduistischen Glauben durch die Kultur in ihrer Umgebung kennen. Wenn diese Religion jedoch sich jedoch zu einem gefährlichen Aberglauben verändert, so ist eine Grenze erreicht. Das ist der Punkt, an dem wir ihnen mit Worten und Taten zeigen müssen, dass sie die Dinge wissenschaftlich betrachten sollten, dass Krankheiten mit Medikamenten und mit der natürlichen Kraft des Körpers geheilt werden – und nie durch eine Zeremonie.
Wir sind der Meinung, dass es diesen Kindern einen falschen Eindruck geben würde, wenn uns zwei unserer Mitarbeiter verlassen, weil sie ihre Medizin nicht nehmen wollen und dann zurückkommen. Eine Medizin, die diese Kinder selbst genommen haben. Die Angestellten würden zurückkommen und ihren Aberglauben verbreiten, versuchen, den Kindern zu beweisen, dass sie falsch liegen, wenn sie sagen, dass ihnen beim gleichen Problem die Medizin geholfen hatte. Diese Leute, die die Wirkung der Medizin gesehen haben und sie trotzdem nicht nehmen wollten, sondern noch eher ihre Arbeitsstelle verlieren, wären auch stur genug, Dinge gegen diese Medizin zu sagen und die Kinder zu beeinflussen, so dass diese nicht mehr zum Arzt gehen wollen oder ähnlichen Unsinn in ihre Köpfe pflanzen.
Wenn Aberglaube von Unwissen stammt, ist das eine Sache, aber wenn er von einer sinnlosen Sturheit oder blindem Glauben herrührt, so ist das falsch. Und wir nehmen unsere Verantwortung für unsere Kinder ernst – deswegen wollen wir sie vom Einfluss blinden Glaubens fernhalten!
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