Jemand, der nicht abergläubisch ist, hat manchmal Schwierigkeiten, andere davon zu überzeugen, dass ihre Glaube Unsinn ist. Man kann es versuchen und die wissenschaftlichsten Argumente anführen, doch eine wirklich abergläubische Person wird einem nicht glauben. Ich glaube trotzdem, dass Aberglaube, genau wie religiöser Glaube im Allgemeinen, im Rückgang ist.
Zum Einen war es immer üblich, dass Frauen mehr Regeln haben, wie sie sich verhalten sollen, weil sie das unterdrückte Geschlecht waren und als unwichtig angesehen wurden. Männer sind genauso abergläubisch, aber es sind zumeist die Frauen, die bestimmte Zeremonien durchführen müssen, die zu bestimmten Zeiten als unrein angesehen werden und dann darin beschränkt sind, wo sie hingehen können und mehr. Mit dem längst fälligen Aufstreben der Frau, werden Frauen immer mehr gleichgestellt und wollen solchen Aberglauben nicht mehr weitertragen. Sie fangen an, die Regeln zu ignorieren und dadurch befolgen sie immer weniger Menschen.
Es gibt jedoch auch individuellen Aberglauben. Wenn dir jemand in einer normalen Unterhaltung von einem Aberglauben erzählt, zum Beispiel, dass der Tag einer Mondfinsternis ein Pechtag ist, kannst du immer sagen, dass du daran nicht glaubst. Der andere wiederspricht dir dann und zählt vier, fünf oder mehr schlechte Dinge auf, die ihm oder Menschen in seiner engen Umgebung an genau solchen Tagen geschehen sind. Wenn du antwortest, dass du dich nie darum gekümmert hast, ob Mondfinsternis ist oder nicht und dass dir nie etwas passiert ist, antwortet dein abergläubischer Gesprächspartner nur ‚Vielleicht passiert dir das nicht, aber mir passiert es schon! Es ist eben nur für mich ein Pechtag!‘ Naja, dem kann man ja nichts mehr erwidern.
Immer wenn an einem Tag der Mondfinsternis etwas Schlimmes passiert, erinnert sich derjenige daran, dass es doch sein Pechtag ist. Er fängt an, sein Leben danach auszurichten, obwohl auch an anderen Tagen schlimme Dinge passieren. Es gibt Hunderte solcher abergläubischen Vorstellungen und Vorraussagungen, wann gute Dinge geschehen und wann schlechte Dinge geschehen. Dieser Aberglauben wird zu einem Anker in den Leben der Menschen. Sie leben von einem solchen Tag zum anderen, unsicher, immer in der Angst, dass ihnen an ihren Pechtagen etwas passiert!
Die interessante Tendenz ist dann, dass sie neuen Aberglauben schaffen. Wenn dreimal etwas Schlechtes passiert ist, wenn sie an einem Montag Abend schwimmen waren, gehen sie an Montagen einfach nicht mehr schwimmen. Und das erzählen sie ihren Kindern, als wäre es eine wissenschaftlich bewiesene Tatsache. Ich glaube, dass Religion für diese Denkweise verantwortlich ist, für diesen Bedarf an etwas, an das man sich festhalten kann.
Das Lustige ist, dass diese Menschen nur an so etwas wie Pech glauben. Die Grundlage solchen Aberglaubens sind religiöse Schriften und dort findet man viel genauere Drohungen dafür, was einem auf mysteriöse Weise zustoßen könnte. Die Menschen glauben jedoch nicht, dass zum Beispiel in der Nacht Dämonen kommen und ihr Baby anstelle deines Kindes in die Wiege legen könnten. Solcher Glaube ist dann doch zu unrealistisch, sogar für abergläubige Menschen! Nein, sie glauben nicht an solchen Unsinn! Sie glauben, dass man krank werden kann, wenn man eine Reise an einem falschen Tag beginnt, aber sie glauben nicht an Dämonen und ähnliche Wesen!
Früher jedoch glaubten die Menschen auch hieran. Sie hatten vor allen möglichen Wesen und allen möglichen Arten von Vorfällen Angst, an die heutzutage einfach keiner mehr glaubt. Und genau wie solcher Glaube langsam verschwand, wird sich auch der Aberglaube auflösen und hoffentlich eines Tages nur noch in Märchen und Erzählungen alter Leute vorkommen.
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