Der zweite Typ abergläubischer Personen, die ich beschreiben möchte, ist einer, von dem es in Indien recht viele gibt:
Die abergläubische Durchschnittsperson aus der Mittelklasse
Anders als der ländliche Dorfbewohner kann der normalle Mittelständler nicht sagen, er oder sie wüsste nicht, dass Aberglaube Unsinn ist. Er hat eine Schule besucht und genug gelernt um zu wissen, dass es viele Erklärungen für die Dinge gibt, die in der Vergangenheit nur Aberglaube erklären konnte. Trotzdem folgt er dem ganzen Unsinn.
Er will seine Eltern nicht enttäuschen oder ihnen Angst machen und er will auch nicht respektlos erscheinen, indem er ihren Worten keinen Wert verleiht. Das erzählt er zumindest all denen, die versuchen, mit ihm zu diskutieren oder wissenschaftliche Beweise anbringen wollen, dass er falsch liegt. In Wirklichkeit jedoch ist da diese kleine Stimme in seinem Kopf, die ihn fragt ‚Und was, wenn es doch wahr ist?‘ Darum ist es für ihn so schwierig, den Aberglauben aufzugeben!
Unter allen abergläubischen Menschen ist er der ängstlichste und er hat immer Gefühle der Unsicherheit, die ihn zurückhalten. Die Leute aus höheren Klassen können etwas riskieren, ohne alles zu verlieren – wenn sie etwas verlieren, müssen sie sich nicht allzu sehr sorgen. Die Leute der Mittelklasse jedoch sind in einer Situation, in der sie genug haben, dass sie etwas verlieren könnten, aber nicht so viel, dass es ihnen nichts ausmachen würde, wenn sie einen Teil verlieren. Diese Situation unterstützt natürlich die Angst und so sind Leute der Mittelklasse empfänglicher für Aberglaube.
Immer, wenn sie sich in einer Situation befinden, in der sie normalerweise einem Aberglauben folgen würde, ihnen aber jemand erklärt, dass es Unsinn ist, sagen sie ‚Es schadet nicht, warum also nicht?‘ und versuchen so, auf der sicheren Seite zu sein. Wenn ich nichts verliere, sollte ich es tun – es könnte schließlich auch wahr sein! Das denken sie, aber in Wahrheit schafft das alles so viele Zweifel, dass sie sogar ihrem Aberglauben folgen, wenn es ihnen schadet! Wenn du zum Beispiel die Erlaubnis bekommst, das Krankenhaus an einem Donnerstag zu verlassen, beschließt du aufgrund eines Aberglaubens, einen Tag länger zu bleiben. Das schadet doch deinem Geldbeutel! Am Ende hast du mehr bezahlt und Geld verloren – du hattest jedoch zu große Angst, dass der Aberglaube wahr sein könnte und deshalb hast du den Verlust in Kauf genommen. Du sagst ‚Ein bisschen länger schadet auch nicht‘, aber es zeigt, dass du bereit bist, für deinen Aberglauben auch Verluste in Kauf zu nehmen!
Ich spreche da nicht nur von Geld! Ich habe das Gefühl, dass diese Menschen einen großen Teil ihrer Freiheit verlieren! Sie können keine Entscheidung selbst fällen, sondern haben ihren Geist zu einem Gefängnis ihres Aberglaubens gemacht! Es tut mir leid für sie, weil sie damit ihre Intelligenz an diesen Unsinn verkauft haben! Sie könnten ohne den Aberglauben in ihrem Leben viel glücklicher sein!
Aberglaube beherrscht ihre Leben vollkommen und wenn man ihren täglichen Tagesablauf beobachtet, ihre Angewohnheiten von morgens bis abends, so findet man so viele abergläubische Handlungen, dass es schwierig ist, sie alle zu zählen! Das Lustige ist, dass sie es nicht einmal merken werden, während ein Nicht-Gläubiger wahrscheinlich denkt, dass sie den Verstand verloren haben!
Ich möchte euch ein Beispiel einer solchen Situation geben: als mein Schwiegervater das erste Mal nach Indien kam, hatten wir gerade einen neuen Fahrer eingestellt, der ihn vom Flughafen abholen fuhr. Dieser Fahrer war sehr religiös und damit abergläubisch und hatte eine ganz gewöhnliche Angewohnheit abergläubischer Leute hier – bei jedem Tempel, an dem sie vorbeifuhren, machte er eine kleine Verbeugung, führte die Hand zur Brust und dann zum Kopf und sagte Gottes Name wie ein kleines Gebet. Als Yashendu zurückkam und von der Angewohnheit unseres neuen Fahrers erzählte, malten wir uns aus, was mein Schwiegervater jetzt wohl dachte – vielleicht, dass unser Fahrer ein psychologisches Problem hat und vielleicht einen Arzt aufsuchen sollte? Mein Schwiegervater war jedoch entweder zu sehr von der Umgebung fasziniert, um das zu bemerken oder zu höflich, um etwas zu sagen und ich weiß, er liest das nun und lacht. Die Tatsache ist jedoch, dass diese seltsame Handlung für religiöse Leute so normal ist, dass sie es schon gar nicht mehr bemerken!
Religiös zu sein ist auch ganz normal! Nicht nur hier in Indien sondern auf der ganzen Welt gibt es viel mehr religiöse Leute als Nicht-Gläubige und sie haben alle ihren eigenen Aberglauben! Wenn du nun einwirfst, ich hätte das Thema vom Aberglauben zur Religion gebracht, so kann ich nur wieder sagen, dass jeder gute Anhänger einer Religion auch abergläubisch ist – weil Religion voller Aberglauben steckt. Man kann nicht sagen ‚Ich bin religiös aber nicht abergläubisch‘.
Aus all diesen Gründen glaube ich, dass der religiöse Durschnittsmensch der Mittelklasse so viel glücklicher wäre, wenn er Religion und Aberglaube hinter sich lassen und sein Leben ohne es leben würde!
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