In der letzten Woche habe ich viel über Aberglaube und abergläubische Menschen geschrieben und sogar über die Frage, ob abergläubische Menschen wirklich an all den Unsinn glauben, den sie anderen erzählen. Die Antwort war nein, aber sie haben Angst, dass es doch wahr sein könnte oder einfach nicht den Mut, dem, was die Älteren sagen, zu widersprechen. Ich hatte das Gefühl, dass es gut wäre, eine etwas genauere Erklärung des Geisteszustandes einer abergläubischen Person zu beschreiben. Ich glaube, wir können sie in fünf verschiedene Typen abergläubischer Menschen einteilen, zumindest wenn man von Indien spricht:
Der abergläubische ländliche Dorfbewohner
Dies ist der einzige Personentyp, der nichts dafür kann, dass er an Aberglauben glaubt, weil er ganz ehrlich nicht weiß, dass es Unsinn ist. Es gibt immer noch viele Orte in Indien, wo die Menschen keinen Zugang zu guter Bildung haben, mit der sie etwas Wissenschaftliches lernen könnten, über die Gründe, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Wir müssen nicht einmal über dier Qualität der Bildung sprechen, viele Leute waren überhaupt nicht in der Schule! Sie sind vollkommene Analphabeten und können die Anzahl der Bücher, die sie in ihrem ganzen Leben gesehen haben, an einer Hand abzählen. Sie wissen, wie die Arbeit auf den Feldern funktioniert und wie man das anpflanzt, was man dann isst, aber sie wissen nichts darüber, wie sich die Erde um die Sonne dreht, warum Wasser verdampft oder wie sich Krankheiten verbreiten.
Sie befinden sich immer noch auf dem Level, von dem meiner Meinung nach Religion und Aberglaube überhaupt begonnen haben. Sie sehen eine Sonnenfinsternis und bekommen es natürlich mit der Angst zu tun, weil auf einmal alles dunkel ist. Ein Priester kommt und liest aus einer Schrift vor, dass Gott das macht, wenn die Menschen viele Sünden begehen oder dass ein Dämon mit der Sonne kämpft. Diese religiöse Person erzählt ihnen dann, dass sie dagegen eine Zeremonie durchführen müssen, beten müssen und jegliche Sünden vermeiden müssen, nur dann könnte das wieder in Ordnung kommen und würde das Licht wieder auf die Erde zurückkommen.
Genauso glauben sie, die Windpocken wären ein Zeichen für die Wut einer Göttin und man könne mit Medizin dagegen überhaupt nichts ausrichten – man könne nur beten und Rituale durchführen, um die Göttin zu besänftigen.
Da sie das nicht wissen, verwenden sie Aberglauben um das zu erklären, was sie als Pech erleben. Wenn etwas Schlechtes passiert, versuchen sie, einen abergläubischen Grund dafür zu finden, zum Beispiel eine schwarze Katze. Immer, wenn sie von da an eine schwarze Katze sehen, haben sie Angst, dass ihnen etwas passiert. Um ihre Ängste zu beruhigen, führen sie religiöse Rituale durch und glauben, dass diese sie beschützen können. Sie haben Angst vor Dingen, die die meisten Leute ihnen auf wissenschaftliche Weise erklären könnten. Aberglaube ist ihre einzige Erklärung, die glauben wirklich daran!
Das ist genau das, was sie tun werden, weil sie Angst vor den Dingen haben, die sie nicht verstehen. Religion weiß, wie sie daraus Nutzen ziehen können und zeigt Wege auf, mit denen sie die Menschen dann von ihr abhängig machen. Sie halten die Leute zum Narren und lassen sie glauben, die Rituale und Zeremonien hätten eine Auswirkung auf natürliche Geschehnisse.
Diese Menschen sind wie Frösche in einem Brunnen, die nur die kleine Welt kennen, in der sie Leben, ohne von dem großen Ort um sie herum zu wissen. Sie glauben also, was ihre Eltern auch glauben, die genauso Analphabeten waren wie sie. Wenn sie ihren Eltern zuhören, macht es Sinn, was sie sagen. Wenn sie den religiösen Predigern zuhören, scheint auch alles klar und es ist ganz leicht, dem zu folgen, was sie sagen.
Sie verwenden die Beispiele, die sie so bekommen und schaffen weitere abergläubische Regeln, wo auch immer sie nötig sind. Wenn etwas schlimmes passiert, versuchen sie, einen abergläubischen Grund dafür zu finden, zum Beispiel eine schwarze Katze. Immer, wenn sie von da an eine schwarze Katze sehen, haben sie Angst, dass etwas passiert. Sie haben Angst vor Dingen, die die meisten Leute ihnen auf wissenschaftliche Weise erklären könnten. Es ist ihre einzige Erklärung, sie glauben mit vollem Ernst daran und für sie ist es ihre Wahrheit.
Darum glaube ich kann man diesen Leuten ihren Aberglauben nicht übel nehmen. Man kann die Regierung beschuldigen, nicht genug Bildung bis in die Dörfer gebracht zu haben oder die Priester und Prediger anklagen, ihren religiösen Unsinn zu verbreiten, obwohl sie wissen, dass es falsch ist. Diese Leute sind wirklich nicht schuld daran, dass sie abergläubisch sind – man kann nur versuchen, ihnen zu helfen, wann auch immer sich die Möglichkeit bietet.
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